Abenteuer Wildnis auf den Falkland Islands

13. Januar - 03. Februar 2008

Allgemeine Infos und Anreise zur Sea Lion Island

Nachdem wir ein Jahr zuvor in 2007 eine Antarktis Expeditionskreuzfahrt (hier findet Ihr den Reisebericht Antarktis 2007) gemacht hatten, war für uns klar, dass wir die Falklandinseln nochmals intensiver bereisen wollten. Genau ein Jahr später erfüllten wir uns diesen Traum und sollten es nicht bereuen. Wir wählten als Reisezeit wieder den Januar, weil uns im Vorjahr gerade die jugendlichen Pinguinkinder viel Freude gemacht hatten und sie in diesem Alter einfach unwiderstehlich süss sind. Die meisten Vögel haben im Januar Nachwuchs, der schon etwas grösser ist und diese Kindergärten sind schlichtweg bezaubernd. Diese Entscheidung erwies sich dann auch als goldrichtig.

Am 11. Januar 2008 starteten wir unser Abenteuer Falkland Islands mit der spanischen IBERIA ab Frankfurt über Madrid nach Santiago de Chile. Die Langstrecke flogen wir über einen Upgrade in der Business Class, was bei der langen Flugzeit von 13 1/2 Stunden eine Wohltat war. Die Business Class der IBERIA war 2008 in einem Airbus 340/600 ausgezeichnet: die Sitze liessen sich in völlig flache Betten verwandeln und weder am Service noch am Essen gab es irgendetwas auszusetzen.

Wir kamen am 12. Januar 2008 in Santiago de Chile an und hatten für eine Nacht ein Doppelzimmer im Holiday Inn Santiago Airport Terminal Hotel * gebucht. Das Zimmer war einigermassen geräumig, sauber und genügte für eine Nacht völlig. Wir litten ziemlich unter dem Jetlag und haben die meiste Zeit verschlafen.

Am nächsten Tag ging es dann sehr früh am Morgen mit der LAN Chile in einem Airbus 320 via Punta Arenas auf die Falklandinseln. Punta Arenas gilt zurecht als windigster Flughafen der Welt und auch uns sollte es nicht anders ergehen. Bereits die Landung war durch den starken Wind wackelig, aber die Krönung war dann der Start! Der Wind stand ungünstig zur Startbahn und lag über 30 Knoten, was damals der maximal erlaubte Wert für den Start war. Unser Flug hatte bereits Verspätung, aber dann Freigabe. So fuhr der Pilot zur Startbahn, liess die Motoren aufheulen und machte eine Durchsage, dass man auf ein Windfenster mit erlaubter Maximalstärke warten würde! Na toll ! Irgendwann gab er wie beim Formel 1 Rennen Gas und wir hoben ab. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie so viel Angst wie bei diesem Start und betete, dass der Wind nun wusste, dass er ein Zeitfenster hat! Zum Glück war der restliche Flug ruhig und auch die Landung auf dem Mount Pleasant Airport, dem Miliärflughafen der Royal Air Force bei Stanley, war nach rund sieben Stunden Gesamtflugzeit für die herrschenden Winde ruhig.

Sea Lion Island 13. - 18. Januar 2008

Nach der Einreise, die militärisch durchorganisiert war, ging es mit einer Britten-Norman BN-2B Islander Maschine für 10 Passagiere der Falkland Islands Government Air Service (FIGAS) zu unserem ersten Ziel für die nächsten fünf Nächte: Sea Lion Island. Es gibt dort nur eine Unterkunft für (damals) 16 Personen in der Sea Lion Island Lodge, die wir am Nachmittag zur Tea Time erreichten.

Die am südlichsten gelegene Insel der Falklands ist rund 9 km2 gross und der höchste Punkt liegt 46 Meter über dem Meeresspiegel. Die Zimmer der Lodge sind spartanisch mit Bett, Schrank und etwas Glück einem Tisch und einem schlichten Badezimmer. In den gemeinschaftlich genutzten Wohnräumen wird das Essen (der Tarif ist mit Vollpension) serviert und es gibt eine Bar sowie einen Fernseher. Heute (2017) ist es etwas moderner und Internet hat ebenfalls Einzug gehalten. Das Essen ist uns als reichlich und britisch schmackhaft in Erinnerung geblieben

Wir bezogen unser Zimmer und verbrachten die Tage bis zu unserer Abreise grösstenteils draussen mit den Tieren von Sea Lion Island. Der Tagesablauf war jeden Tag derselbe, so dass ich mich in diesem Reisebericht auf die Beschreibung der Tiere und besonderen Erlebnisse beschränke. In diesem ersten Teil zu Sea Lion Island stehen die Pinguine und die gewaltigen See-Elefanten im Fokus.

Sea Lion Island 13. - 18. Januar 2008

Eselspinguin (Pygoscelis papua)

Eselspinguine erreichen eine Körperlänge zwischen 75 und 90 Zentimeter, werden zwischen 4,5 und 7,5 Kilogramm schwer und gehören zu den mittelgrossen Pinguinen. Die Geschlechter kann man nicht offensichtlich unterscheiden, doch sind die Weibchen oft etwas kleiner. Auf den Falklandinseln brüten circa 35% des globalen Bestandes. Die Nahrungssuche wird oft zwischen den Eltern aufgeteilt: ein Elternteil verlässt die Kolonie am Morgen bis zum Mittag und wechselt dann den anderen Elternteil ab. Sie tauchen bei der Jagd bis zu 100 Meter tief und ernähren sich von kleinen Fischen und hauptsächlich Krill.

Direkt in unmittelbarer Nähe zur Sea Lion Island Lodge gibt es eine Kolonie Eselspinguine, mit der wir viel Zeit verbrachten. Oft blieb die Kamera dabei aus und wir genossen einfach die putzigen Vögel und beobachten, wie die Jungvögel aufgeregt ihren Eltern hinterher liefen, wenn diese mit Nahrung aus dem Meer kamen. Die kleinen Punkts waren extrem neugierig und wenn man sich einfach auf den Boden setzte und sich auf sie einliess, kamen sie schnell neugierig näher und schauten sich diesen gelockten Zweibeiner näher an. Ich war oft geradezu von kleinen Eselspinguinen umringt und einige ganz Mutige pickten an meiner Hose und Jacke – es kann ja sein, dass sich da etwas Krill versteckt, oder etwa nicht...?

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Eselspinguine (Pygoscelis papua)

Die Kleinen liessen sich auch 'dirigieren' Wenn ich meinen Finger hob, gingen alle Köpfe hoch. Bewegte ich meinen Finger nach links, gingen alle Köpfe nach links. Nach rechts funktionierte das auch und so dirigierte ich ganze 'Konzerte' mit den lustigen Jungs – was für tolle Stunden ich mit ihnen verbrachte! Ich werde an dieser Stelle noch ein Video einfügen; es kommt bald.

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Junge Eselspinguine (Pygoscelis papua)

Mehr Fotos von den Pinguinen gibt es in unserer Pinguin 1 Fotogalerie auf unserer Webseite.

Die Altvögel der Eselspinguine standen den Kleinen aber an Attraktivität in nichts nach. Im Laufe der Tage gelangen uns einige hübsche Portraits und Aufnahmen am Strand. Besonderen Spass machte es, ihnen zuzuschauen, wenn sie nach der Jagd aus dem Wasser an den Strand schossen. Eigentlich surften sie auf den Wellen an den Strand und stolzierten aus dem Wasser über den Sand. Dabei ergaben sich viele lustige Szenen, von denen wir einige festhalten konnten.

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Eselspinguine (Pygoscelis papua)

Mehr Fotos von den Pinguinen unter dem Motto 'Aus dem Meer zurück' gibt es in unserer Pinguin 3 Fotogalerie auf unserer Webseite.

Magellanpinguin (Spheniscus magellanicus)

Die zweite Gruppe Pinguine auf Sea Lion Island, die uns grosse Freude gemacht hat, waren die Magellanpinguine. Sie gehören zu den Brillenpinguinen, erreichen eine Körperlänge von 70 Zentimetern und ein Gewicht von vier Kilogramm. Auf den Falklandinseln brüten über 100,000 Brutpaare, wobei die Gesamtpopulation auf rund 1,3 Millionen Brutpaare geschätzt wird. Die Magellanpinguine graben Bruthöhlen und wechseln sich nach der Hälfte der Brutzeit von 40 Tagen ab. Sie ernähren sich ebenso wie Eselspinguine von Fisch und Krill und jagen dabei bis zu 50 Meter tief.

Auch die Magellanpinguine hatten Nachwuchs und die putzigen Jungspunde hielten sich oft in Strandnähe auf! Besonders ein kleiner Magellanpinguin ist mir in Erinnerung geblieben, der geradezu träumerisch über den Strand tänzelte. Was für ein süsser Kerl!

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Magellanpinguin (Spheniscus magellanicus)

Eine tolle Beobachtung konnten wir über eine Stunde an Land machen, wo sich die Bruthöhlen der Magellanpinguine befinden. Zwei Küken warteten dort mehr oder wenig geduldig auf ihre Eltern, die dann endlich mit einer grossen Ladung Krill in den Mägen aus dem Meer zurück kamen. Und plötzlich brach die Hölle los! Die Kleinen rannten aufgeregt im Kreis und dann immer den Eltern hinterher. Die Eltern wurden bedrängt, überrannt und taub geschrieen Schliesslich konnten sich die Eltern gegen die Rasselbande durchsetzen und immer ordentlich erst der eine und dann der andere mit einer Ladung Krill gefüttert. Irgendwann wurden die Kleinen ruhiger und es hat wirklich nur noch ein lautes Bäuerchen gefehlt

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Wo ist Mamiii...?Ich hab Hunger!Na endlich!Ich zuerst!!Lecker :)Jetzt aber ich!Mehr... mehr...!Glückliche Familie :)

Mehr Fotos von der Fütterung gibt es in unserer Pinguin 2 Fotogalerie auf unserer Webseite.

Die Magellanpinguine landeten am selben Strand an wie die Eselspinguine, aber wesentlich gesetzter und nicht so rasant. Aber schliesslich sind die Eselspinguine ja auch die schnellsten Schwimmer unter den Pinguinarten. Schön zu beobachten war es aber trotzdem!

Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome)

Die dritte grosse Gruppe sind die Felsenpinguine, die Punker und Sportlichen unter den Pinguinen der Falklandinseln. Sie erreichen eine Körperlänge zwischen 45 und 58 Zentimeter und werden bis zu vier Kilo schwer. Damit zählen sie zu den kleineren Pinguinen. Im Gegensatz zu den anderen Pinguinen sind sie aggressiver gegen jedes Lebewesen, dass in die Nähe des Nestes kommt und greifen andere Pinguine, Albatrosse und auch Menschen an. Ansonsten sind sie ziemlich sozial und wir konnten die zärtliche, gegenseitige Gefiederpflege öfter beobachten. Sie sind auch bei der Nahrung nicht wählerisch und fressen alles, was das Meer so hergibt über Krebstiere, Kalmare, Fische und Krill. Dabei jagen sie in Tiefen bis zu 100 Metern. Der Bestand auf den Falklandinseln ist bis 1995 um nahezu 90% eingebrochen: Schuld war der Mensch mit der Überfischung der Gewässer um die Falklandinseln. Die armen Tiere fanden nicht genug Nahrung, konnten keine Fettreserven aufbauen und verhungerten zu Hunderttausenden. Die Fischerei wurde in der Folge reguliert und der Bestand hat sich seitdem langsam wieder erholt und stabilisiert. Man geht von einem Bestand von etwas über 300,000 Brutpaaren aus – es waren mal 2,5 Millionen im Jahr 1984

Auf Englisch heissen sie Rockhopper und genau das tun sie: sie landen nicht am Strand an, sondern in felsigem Gelände, wo sie dann von Fels zu Fels die Klippen zu ihren Brutstätten erklimmen. Kaum vorstellbar, was die kleinen Kerle leisten und wir haben uns oft gefragt, warum die Natur ihnen diese Mühen auferlegt hat.

Die Felsenpinguine fanden wir einen Fussmarsch entfernt hoch auf einer Klippe und es war ein quirliges Durcheinander. Der Felsenpinguin Kindergarten bestand aus knuddeligen, braunen Federbällchen, die in der Sonne auf ihre Eltern warteten. Wenn diese dann über die Felsen gehüpft kamen und ihren Nachwuchs gefunden hatten, wurden diese zur Begrüssung erstmal kräftig niedergeschrieen und dann gab es eine Ladung Krill. Übrigens begrüssten sich auch die Alttiere mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll. Wir waren nach einiger Zeit davon überzeugt, dass Felsenpinguine einfach taub sein müssen

Es gab aber auch einige geradezu zärtliche Momente unter den älteren Felsenpinguinen, was genauso niedlich anzusehen war. Wir haben die Zeit mit den Felsenpinguinen auf jeden Fall auch sehr genossen!

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Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome)

Mehr Fotos von den Felsenpinguinen gibt es in unserer Pinguin 2 Fotogalerie auf unserer Webseite.

Königspinguin (Aptenodyts patagonicus)

Der Königspinguin ist der mit einer Körperlänge zwischen 85 und 95 Zentimeter und einem Gewicht zwischen 10 und 16 Kilogramm die zweitgrösste Art der Pinguine. Auf den Falklandinseln befinden sich nur kleinere Bestände von circa 200 Brutpaaren. Sie ernähren sich von kleinen Fischen, Krill und Tintenfischen und können pro Jagd bis zu 20 Kilo fressen! Dabei erreichen sie Tiefen von über 300 Metern und sie können mehrere Minuten unter Wasser bleiben.

Königspinguine verirren sich nicht oft nach Sea Lion Island (die meisten brüten beim Volunteer Point nahe Stanley) und so waren wir hoch erfreut, einen einsamen Pinguin an einem stürmischen Tag zu finden. Er kämpfte sich tapfer durch den tief fliegenden Sand, bis er eine schützende Stelle erreichten. Wir freuten uns sehr über das Kerlchen und bewunderten diesen grossen Pinguin ausgiebig. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir mit Königspinguinen noch gar nicht gerechnet!

Südlicher See-Elefant (Mirounga leonina)

See-Elefanten sind die grössten Robben der Welt und gehören zu den Hundsrobben. Ein Männchen erreicht nach circa acht Jahren seine volle Grösse und hat dann die maximale Grösse des Rüssels erreicht. Der Rüssel ist aufblasbar (echt!), um damit ihre Dominanz gegenüber anderen Bullen zu unterstreichen. Ein Bulle kann 6,5 Meter lang und 3500 Kilogramm schwer werden, während eine Kuh hingegen nur 3,5 Meter und 900 Kilogramm erreicht. Die See-Elefanten essen nur ausserhalb der Paarungs- und Wurfzeit und jagen ihre Beute im Meer. Ihre Nahrung besteht aus Tintenfischen, Krebsen, Fischen, Haien und Rochen.

Gerd war von diesen gigantischen Säugetieren fasziniert, ich fand sie mit ihren schlechten Angewohnheiten eher 'weniger niedlich', höflich ausgedrückt Irgendwie haben sie immer eine Rotznase, sie Furzen und Rülpsen! Auch wenn die Rüssel der Männchen je grösser sie sind, umso attraktiver auf die Damen wirken, sehen sie damit seltsam aus.

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See-Elefant (Mirounga leonina)

An einem Nachmittag bot uns eine See-Elefantendame allerdings eine richtige Komödie! Sie beobachte uns genauso wie wir sie und ihre Gesten und Gesichtsausdrücke waren dabei fast schon menschlich! Sie gingen von 'Oh Gott sehen die dämlich aus!' über 'Bin ich müüüüde...!' bis hin zum ernsthaften Denker und tiefenentspannten Schlafmodus. Dieser Dame zuzusehen war ein echtes Erlebnis und unser Highlight mit den See-Elefanten.

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See-Elefant (Mirounga leonina)

Mehr Fotos von den See-Elefanten gibt es in unserer Sea Lion Island Fotogalerie 3 auf unserer Webseite.

Im nächsten Teil von Sea Lion Island geht es weiter mit der Vogelwelt von Sea Lion Island. Unter anderem konnten wir Blauaugenscharben, Truthahngeier, Schopfkarakaras, Falkland-Karakaras, Ammerfinken, Falklanddrosseln und endemische Entenvögel bewundern.

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