El Hierro – Kanarische Inseln 2017 / 2018

21. - 28. Dezember 2017

El Hierro Pasaporte – der Pass zur Kultur und Natur

Der El Hierro Pasaporte ist eine wirklich gut gemachte Sache für Einheimische und Touristen, um die Museen und Informationszentren der Insel zu erleben. Man bekommt bei jedem Besuch der neun Sehenswürdigkeiten einen Stempel in den Pass und für uns waren die zumeist sehr interessanten und informativen Besuche immer eine willkommene Aktivität während des Tages. Der Pass kostet für Touristen 17,95 Euro (Stand 2018) und beinhaltet die folgenden Attraktionen, die ich in diesem Kapitel vorstellen werde:

- das Lagartario, die Zuchtstation für die gefährdete El Hierro Rieseneidechse

- das dem Lagartario angeschlossene Ökomuseum, wo ein typisches El Hierro Dorf (Guinea) nachgebaut wurde

- den ebenfalls dem Lagartario angeschlossenem Lavatunnel

- das Centro de Interpretación Vulcanológico

- der heilige Baum Garoé – Árbol Santo, der sich auch im Wappen El Hierros befindet

- das Centro de Interpretación Geológica

- das Centro de Interpretación de la Reserva de la Biosfera

- das Museo Etnográfico Casa de Las Quinteras

- der Parque Cultural de El Julán

und für den Mirador de la Peña gibt es ebenfalls einen Stempel, weil er so schön ist, aber keinen Eintritt kostet

Ecomuseo de Guinea y Lagartario: die Vulkanhöhle

Wir begannen unsere Besichtigungen im Ökomuseum Guinea und nachdem wir unseren Pass gekauft und die ersten Stempel erhalten hatten, begann auch schon die Führung in den Vulkantunnel. Leider fand die Führung ausschliesslich auf Spanisch statt und wir verstanden so gut wie gar nichts von den Erklärungen. Aber wir hatten an der Rezeption eine dicke Mappe bekommen, wo wir eine Menge nachlesen konnten. Trotzdem war es natürlich etwas blöd, wenn die junge Dame auf etwas deutete und erklärte und wir nur erahnen konnten, worum es ging . Ein paar Brocken Englisch zur groben Erklärung hätten ja schon gereicht...

Die Höhle bzw. Vulkanblase ist auf rund 90 Meter zur Besichtigung freigegeben, ist aber viel länger. Sie wurde durch Zufall während der Bauarbeiten für das Lagartarium im Jahr 1994 entdeckt, als ein Bagger ein Stück der Höhlendecke zum Einsturz brachte.

Die Höhle entstand durch eine Ansammlung von Gasen im Lavafluss, während die Lava aussen schnell abkühlt und innen die heisse Lava immer noch weiterfliesst. Die Blase konnte man gut erkennen und wir konnten einen Blick in die Fortsetzung des Tunnels werfen, der sehr viel niedriger weiter geht. Es war ein interessanter Beginn unseres Besuchs, der aber mit ein paar Informationen in Englisch wertiger gewesen wäre.

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Ecomuseo de Guinea y Lagartario: die Zuchtstation

Unser Highlight war von vornherein die Reproduktionsstation zur Wiedereinführung der endemischen Rieseneidechsen von El Hierro (Gallotia simonyi). Leider gibt es die ursprünglichen Rieseneidechsen, die bis zu 1,50 Meter lang werden konnten nicht mehr, da sie bereits vor der europäischen Eroberung von den Ureinwohnern El Hierros bis zur Ausrottung getötet und gegessen wurden . Doch auf der Felsengruppe Roque Chico de Salmor gab es noch bis 1940 eine Unterart, die ebenfalls ausgerottet wurde: diesmal durch Sammler und Wissenschaftler ! 1974 entdeckte man glücklicherweise dieselbe Art auf dem Felsen, der sich genau über dem Lagartarium befindet und es gibt glücklicherweise dort heute immer noch eine recht grosse Population, die nun endlich (!) unter Naturschutz steht . Von dieser wurden sechs Paare zur Aufzucht in die Zuchtstation gebracht und 1986 wurden die ersten Rieseneidechsen in Gefangenschaft geboren.

Man weiss noch nicht, wie gross und alt diese Unterart werden kann, da das älteste Tier der natürlichen Population mindestens knapp vierzig Jahre alt ist und bereits über 60 cm gross ist. Die Wissenschaftler gehen aber zur Zeit nicht davon aus, dass sie grösser als 80 cm werden.

Im mittlerweile ausgebauten Informationszentrum kann man die Echsen hinter Glas in ihren Freigehegen bewundern kann und wir sahen sogar das älteste Tier mit einer bereits stattlichen Grösse (wenn auch nur von hinten ). Im Zentrum befinden sich dreisprachige Informationstafeln mit sehr vielen Informationen über die El Hierro Eidechse sowie über die anderen Rieseneidechsen der kanarischen Inseln. Die Führung dauerte eine halbe Stunde, die aber wie im Flug verging.

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Ökodorf Guinea

Das nachgebaute Dorf Guinea ist die dritte Attraktion, die den Besuch abrundet. Hier werden die Häuser und Lebensweise der Ureinwohner, den Bimbachen, nachgestellt. In den Häusern lebten bis zu zehn Menschen und selbst die Aussenbereiche sind mit Dekorationen und kleinen Gärten nachgebildet.

Jedes einzelne Haus wurde originalgetreu und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, so dass man einen hervorragenden Einblick in das Leben der Bimbachen bekommt. So gibt es typische Wohnräume wie die Küche mit Esstischen, den Schlafzimmern sowie einen Raum mit einem grossen Webstuhl und Wollkörben. Vor allem die Details wie ein altes Radio oder Wecker oder eine Feuerstelle im Zimmer hatten es uns angetan.

Der Rundgang machte uns daher viel Spass und war ein gelungener Abschluss dieser Etappe des El Hierro Passes.

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Centro de Interpretación Vulcanológico

In diesem relativ neuen Interpretationszentrum kurz vor La Restinga kann der interessierte Besucher eine Menge über den kanarischen Vulkanismus und über den jüngsten submarinen Vulkanausbruch vor La Restinga lernen.

Der Weg zu den beiden Besucherräumen ist so angelegt, dass man hier bereits die markantesten Lavaformen bewundern kann. So gibt es eine kleine Lavahöhle, einen Lavatunnel und Formationen aus Stricklava. Vor dem ersten Gebäude steht ein sehr schöner Garoé-Baum mit einem Wasserauffangbecken.

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Der Clou ist allerdings die interaktive Technologie in den Informationshäusern. Die Filme, die auf vier grossen Leinwänden gezeigt werden, kann man an interaktiven Bilderkästen selber nochmal in drei Sprachen nachverfolgen. Es sind Touchscreens und die einzelnen Informationsteile lassen sich verschieben und vergrössern. So macht das Entdecken Spass (zumindest wenn man so ein Techie Nerd ist wie ich ). Es gibt viele Informationen zur vulkanischen und geologischen Entstehung El Hierros und einen genauen zeitlichen und bebilderten Ablauf des Ausbruchs vor La Restinga 2011.

Im zweiten Haus wird es dann noch interaktiver! Der Besucher stellt sich auf zwei gemalte Füsse auf den Boden und ein Präsenzmelder aktiviert ein Kinect System. Mit den Händen kann man nun auf dem grossen Bildschirm vorn die Navigation steuern – sehr spannend und unterhaltsam zugleich! Wir interessieren uns ja sehr für Vulkane und zusammen mit diesem interaktiven Erlebnis hat sich für uns der Besuch sehr gelohnt.

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Garoé – Árbol Santo – der heilige Baum

Der Baum El Garoé ist der Heilige Baum der Ureinwohner El Hierros ('El Arbol Santo') und befindet sich in der Nähe von San Andrés. Das Wort Garoé bedeutet Wassersammler und botanisch gesehen ist er ein Stinklorbeerbaum.

Die Bimbaches verehrten den Baum als heilig, weil er aus den Passatwolken die Wassertropfen auffangen konnte. Diese wurden in Becken gesammelt und sorgten lange Zeit für eine zuverlässige Wasserversorgung der Ureinwohner. Der ursprüngliche Baum wurde 1610 von einem Hurrican zerstört und erst 1949 wurde an dieselbe Stelle in einer Nische, wo die Passatwolken vom Tal her hochziehen, gepflanzt. In der Nähe kann man einige der alten Wasserauffangbecken sehen.

Im kleinen Besucherzentrum bekommt man den Stempel für den Pass und es gibt eine kleine Informationstafel. Die Landschaft ist an dieser Stelle spektakulär schön und vor allem die rote Vulkanerde macht sich gut mit dem üppigen Grün der Vegetation und dem blauen Himmel. Ein Besuch an einem schönen Tag lohnt sich unbedingt und kann mit einer Wanderung verbunden werden.

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Centro de Interpretación Geológica

Das Geologische Interpretationszentrum zum UNESCO Geopark von El Hierro befindet sich im alten Casino in El Pinar ganz in der Nähe unseres Häuschens. Laut Definition der UNESCO ist ein Geopark ein Gebiet mit landschaftlichen und geologischen Besonderheiten und soll den Besuchern die geologischen, ethnographischen und kulturellen Formen näherbringen sowie Tourismus und Regionalentwicklung fördern.

Wie auch in den anderen Interpretationszentren gibt es hier viele Informationstafeln und hauptsächlich vulkanische Ausstellungsexemplare zur praktischen Verdeutlichung. Es gibt unter anderem Tafeln zur Entstehung der Insel und Vulkanen, Eruptionsarten, geologischen Risiken, Lavaschichten und Pyroklasten. In der Ausstellung findet man die unterschiedlichen Arten der Pyroklasten sowie Werkzeuge, die aus Vulkangestein hergestellt wurden.

Dieses Interpretationszentrum ist ein kleines, aber feines Museum mit einem grossen Lerneffekt für vulkanisch interessierte Besucher und sollte bei der Besichtigung nicht fehlen.

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Centro de Interpretación de la Reserva de la Biosfera

Das Interpretationszentrum befindet sich im alten Casino im kleinen Ort Isora. Die Casinos sind keinesfalls Spielhöllen, sondern waren in früherer Zeit Gemeinschaftszentren, wo man sich für die Freizeitgestaltung (z.B. Tanzen) traf. Die Informationstafeln gibt es hier nur auf Spanisch, aber der Besucher bekommt am Empfang ein dickes Buch mit Übersetzungen auf Englisch oder Deutsch.

Das Museum soll dem Besucher das Biosphärenreservat El Hierro verständlich machen und erklärt auf verschiedenen Tafeln die Gebiete von natürlichem Interesse, die Funktion eines Biosphärenreservats und wie die Insel auf modernste Art und Weise mit Wind und Wasser ihre notwendige Energie umweltschonend selber produziert. Weiterhin widmet es sich der Gesellschaft und Kultur mit der Darstellung von Menschen in traditioneller Kleidung, der Landschaft, Fischerei und Handwerk sowie dem Nationalsport der Kanaren, dem Ringsport.

Für uns besonders interessant waren die Erklärungen zu dem umweltfreundlichen Windwasserkraftwerk, das zunächst mit mehreren Windrädern Strom produziert. Der nicht benötigte Strom wird dazu genutzt, um Wasser von einem unteren in ein oberes Becken zu pumpen. Dieses Wasser wird bei zusätzlichem Energiebedarf abgelassen und auf Turbinen geleitet, die dann den Strom erzeugen.

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Museo Etnográfico Casa de Las Quinteras

Das Völkerkundemuseum Casa de las Quinteras befindet sich direkt an der Durchgangsstrasse (leicht zurück gesetzt) in der Inselhauptstadt Valverde und stellt verschiedene traditionelle Handwerke der Einheimischen vor. In vier Räumen werden eine Werkstatt, eine Schmiede, ein Webstuhl und das Textil- und Holzhandwerk sowie Töpferkunst vorgestellt. Die Häuser sind ebenfalls detailgenau im traditionellen Stil gestaltet.

Der Rundgang geht ziemlich schnell und war für uns der Teil des Pasaportes, der am wenigsten interessant war. Aber das Museum gehört dazu und so erfüllten wir trotzdem gern unsere Besucherpflicht

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Parque Cultural de El Julán

Der Parque Cultural de El Julán zeigt das kulturelle Erbe El Hierros und liegt spektakulär an der steilen Ostküste der Insel. Die rund zwei Kilometer lange Zufahrt über die sehr schmale und steile Strasse ist bereits das erste Highlight und sorgte bei uns beiden gleichermassen für reichlich Nervenkitzel. Es gab so gut wie keine Ausweichen und zwei Autos hätten definitiv nicht nebeneinander gepasst ! So fuhren wir die Strasse mit Schnappatmung hinunter und nach dem Besuch angespannt wieder hoch . Bei der Rückfahrt haben wir das folgende Video gedreht – viel Spass !

Im Informationszentrum dreht sich alles um die Bimbaches, die ihre Ursprünge in den Berbern Nordwestafrikas haben und hier einen Versammlungsort hatten. Es wurden Petroglyphen und Muschelreste gefunden, wobei letztere vermutlich für Rituale und Feste am Versammlungsort Tagoror verwendet wurden. Die Petroglyphen an diesem Fundort können nur mit einer im Voraus zu buchenden Tour besichtigt werden, die wir nicht machten und uns auf die Ausstellung beschränkten.

Die Petroglyphen sind noch nicht entschlüsselt, doch in der Ausstellung wird sowohl die Entdeckung als auch die Bewahrung dieses wichtigen kulturellen Erbes El Hierros ausführlich behandelt. Man fand um die Versammlungsorte einen Friedhof und einen einzige gut erhaltene 'Tablon de los muertos', eine Art Grabmahl, von der eine Replika ausgestellt ist. Es gibt ebenfalls Replika der Petroglyphen und einige der gefundenen Muschelreste.

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Mirador de la Peña

Diesen Aussichtspunkt mit sehr gutem Restaurant befindet sich gut sichtbar hoch oben über der Tunnelausfahrt mit einer atemberaubenden Aussicht über das El Golfo Tal und ich habe ihn bereits ausführlich im Kapitel Frontera – El Golfo vorgestellt. Von hier aus kann man gut erkennen, wie der gigantische Erdrutsch das schöne Tal vor vielen Millionen Jahren entstehen liess. Es gibt mehrere Aussichtsterrassen, von denen man die kleinen Weiler im Tal und die Küstenlinie mit den steilen Basaltwänden aus der Vogelperspektive bewundern kann. Der Aussichtspunkt wurde übrigens durch den bekannten Künstler und Architekten César Manrique aus Lanzarote entworfen und von der Kanarischen Regierung zu einem Ort von besonderer kultureller Bedeutung erklärt. Am Kiosk im Restaurant kann man sich seinen Stempel für den Pasaporte abholen , doch man sollte auch nicht das sehr gute Essen im Restaurant versäumen.

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Mit dieser letzten Attraktion des El Hierro Pasaporte beschliesse ich diesen Reisebericht und hoffe, er hat Euer Interesse geweckt.

Wir danken Euch für Euer Interesse und hoffen, Ihr hattet etwas Spass beim Lesen unseres Reiseberichts und dass er Lust auf eine Reise auf diese herrliche ursprüngliche Insel mit ihrer tollen Natur macht.

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