Carcass Island

26. - 30. Januar 2008

Allgemeines

Während unserer letzten Nacht auf Saunders Island hatte sich Seenebel gebildet und es war nicht klar, ob wir nach Carcass Island weiterfliegen konnten. Für uns war es eine Horrorvorstellung, eventuell mehrere Tage im heruntergekommenen Settlement übernachten zu müssen und wir warteten bangen Herzens an der Flugpiste. Die FIGAS Flugzeuge fliegen ausschliesslich auf Sicht und können somit bei sehr dichtem Nebel nicht fliegen. Die Ankunft des Flugzeugs verschob sich immer wieder, doch am späten Nachmittag kam dann doch noch eine FIGAS Maschine. Es sollte sich herausstellen, dass dies die einzige und letzte Maschine war!

Wir stiegen ein und ich sass vorn beim Piloten, mit dem ich während des kurzen Fluges nett plauderte. Die Sicht war mittlerweile gleich Null und er flog nur rund 25 Meter über der Wasseroberfläche unter dem Nebel. Dabei betätigte er in regelmässigen, kurzen Abständen ein Dingens in seiner Hand. Ich dachte mir nichts dabei, denn was verstehe ich schon von Fliegerei? Schliesslich flog er plötzlich eine scharfe Linkskurve und dann tauchten aus dem Nebel Felsen auf und man konnte so etwas wie eine Graspiste ausmachen. Wir landeten und Gerd klärte mich dann auf: das Dingens war eine Stoppuhr und der Pilot hatte die Sekunden gezählt, damit er wusste, wann er im dichten Nebel abbiegen musste, um nicht gegen die Felsen zu fliegen!! Wenn ich das vorher gewusst hätte...!

Wir wurden sehr freundlich von Rob und Lorraine McGill empfangen, die uns zum Carcass Cottage brachten. Das Cottage ist eine typische Farmunterkunft mit britischem Charme. Die Zimmer sind schlicht, aber mit eigenem Bad und es gibt ein gemütliches Wohnzimmer für die Allgemeinheit und ein Esszimmer, wo gemeinsam die leckeren, von Lorraine zubereiteten, Mahlzeiten eingenommen werden. Hier fühlten wir uns wieder wohl! Die FIGAS Maschine konnte wegen des Nebels nicht mehr zurück nach Stanley fliegen (der gesamte Flugverkehr auf den Falklandinseln ruhte wegen Seenebel für volle zwei Tage) und somit strandeten vier Gäste auf Carcass. Tragisch für sie war, dass sie somit auch ihren Langstreckenflug nach Chile morgen verpassen würden – und 2008 gingen die Flüge nur einmal pro Woche! Rob und Lorraine kannten das aber schon und organisierten Matratzen, so dass sie zumindest ein bequemes Dach über dem Kopf hatten. Unser Flugzeug hatte auch Lebensmittel mitgebracht und für alle war gesorgt - auch wenn sich Lorraine ausgiebig dafür entschuldigte, dass die Eier zum Frühstück aus waren Doch dies störte natürlich keinen! Ausserdem lief am zweiten Tag die M/S Hanseatic zu einem Tagesbesuch ein und überreichte einer überglücklichen Lorraine Eier als Gastgeschenk

Es war neblig, feucht und ungemütlich draussen und wir unternahmen am Ankunftstag nach dem Anreisetrubel nichts mehr. In den kommenden Tagen besserte sich das Wetter jedoch und wir konnten auf der Insel einige Tiere beobachten und die schöne Landschaft bewundern.

Falklandkarakara (Phalcoboenus australis)

Die Johnny Rooks sind rund um das Haus neben Truthahngeiern zahlreich vertreten. Es macht allerdings den Eindruck, dass sie hier angefüttert werden, da wir an mehrere Stellen Tierknochen mit Fleisch gesehen haben. Aber schliesslich heisst die Insel auf Deutsch ja auch Kadaver Insel

Die Karakaras zeigen keine Scheu und liessen sich geduldig ablichten. Kein Wunder, hatten sie doch alle einen voll gefressenen Kropf! Auf unseren Streifzügen über die Insel begegneten wir ihnen immer wieder und am Strand mussten wir immer gut unser Lunch Sandwich im Auge behalten, bevor es sich mit dem Karakara von dannen machen würde...

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Falklandkarakara (Phalcoboenus australis)

Eselspinguin (Pygoscelis papua) & Truthahngeier (Cathartes aura falklandica)

Die Eselspinguine brüten hoch oben auf einer Anhöhe und haben einen weiten Fussmarsch zum Meer. Keine Ahnung, warum sie es sich so schwer machen, wenn sie auch andere Wiesen in flacheren Gebieten erreichten könnten! In der Kolonie gab es zahlreiche Jungtiere, die wie immer für reichlich Action sorgten: da wurde geschrien, wild durcheinander gerannt und mit den Flügelchen geschlagen. Und wenn mal wieder ein Elterntier kam, wuchs sich das zu einem völligen Chaos aus und die Eltern hatten es mitunter schwer, sich zu behaupten!

Auf einem Felsvorsprung fanden wir des öfteren Truthahngeier vor, die dort ruhten und es schien fast so, als würden sie auf das türkisfarbene Meer schauen. Ein hübsches Motiv!

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Eselspinguin (Pygoscelis papua)Truthahngeier (Cathartes aura falklandica)

Nachtreiher (Nycticorax nycticorax cyanocephalus)

Jede Insel hatte immer mindestens eine Tierart in petto, die wir woanders nicht gesehen haben. Hier auf Carcass Island war es der hübsche Nachtreiher, der in der Nähe vom Cottage am alten Bootsanleger herumlungerte und nach Fisch Ausschau hielt. Er war nur wenig scheu und mit etwas Zeit gelangen uns einige nette Fotos diesen schönen Vogels.

Der Nachtreiher erreicht eine Grösse zwischen 58 und 65 Zentimeter und erreicht dabei ein Gewicht zwischen 700 und 1000 Gramm. Dieser Nachtreiher gehört einer Unterart an, die nur auf den Falklandinseln heimisch ist und unter den extremsten Bedingungen aller Nachtreiherarten lebt. Der Falkland-Nachtreiher ist zudem kleiner und etwas dunkler als andere Unterarten. Sie ernähren sich von kleinen Fischen, Insekten, Würmern, aber auch gelegentlich Krebstiere, Muscheln und Vögel.

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Felsenscharbe (Phalacrocorax magellanicus)

Am selben Anleger fanden wir die attraktiven Felsenscharben, die sich gut gegen das blaue Wasser machten. Leider waren auf der anderen Seite ziemlich hässliche, grobe Balken, aber einmal schaute er in die andere Richtung und dann klappte es auch mit einem etwas besseren Foto.

Rotrückenbussard (Buteo polyosoma)

Ganz besonders gefreut haben wir uns über die Begegnung mit einem Rotrückenbussard, auf den wir während einer Inselwanderung trafen. Dieser schöne Bussard wird 46 bis 56 Zentimeter gross und einer Spannweite von bis zu 1,20 Metern. Dabei wiegen sie knapp unter einem Kilo und wie bei den meisten Greifvögeln sind die Weibchen etwas grösser und schwerer als die Männchen. Seine Nahrung besteht aus Hasen, Mäusen, Kaninchen sowie Vögeln.

Wir machten gerade eine Pause mit schöner Aussicht über die Insel, als der schöne Greifvogel in einiger Entfernung landete. Er hielt Ausschau nach Beute, flog hin und wieder an und setzte sich wieder hin. Wir näherten uns vorsichtig, bis wir eine einigermassen akzeptable Fotodistanz erreicht hatten und hatten Glück, dass sich diese noch innerhalb seiner Wohlfühlgrenze befand. Wir hatten wahnsinnig viel Freude an diesem Vogel und verbrachten so viel Zeit mit ihm, dass wir an diesem Nachmittag kaum noch etwas anderes sahen!

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Felsenscharbe (Phalacrocorax magellanicus)Rotrückenbussard (Buteo polyosoma)Felsenscharbe (Phalacrocorax magellanicusFelsenscharbe (Phalacrocorax magellanicus

Feuerland-Austernfischer (Haematopus leucopodus)

Während eines Strandspaziergang trafen wir auf sehr junge Feuerland-Austernfischer, die zu unserer Überraschung auch ziemlich entspannt waren. Diese Austernfischer Art kommt – wie der Name schon sagt – nur in Südamerika vor; die Population auf den Falklandinseln beträgt zwischen 7000 und 13000 Brutpaaren. Er wird 42 bis 46 Zentimer lang und wiegt zwischen 600 und 700 Gramm, wobei die Weibchen meistens etwas schwerer sind. Sie haben zudem einen etwas längeren Schnabel, der matter gefärbt ist als bei den Männchen. Die schönen Vögel ernähren sich von Würmern, Muscheln und Schnecken.

Wir konnten zwei Jungvögel beobachten, wobei der eine etwas älter erschien. Spass gemacht haben die niedlichen Jungs auf jeden Fall!

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Austernfischer (Haematopus leucopodus)

Landschaft

Landschaftlich hat uns Carcass Island am besten von allen Inseln gefallen. Die Insel gehört zu den West Falkland und wurde nicht wegen der Kadaver sondern nach ihrem Entdecker, dem Kapitän der HMS Carcass, 1766 benannt. Sie ist 10,2 Kilometer lang und 2,9 Kilometer breit; die höchste Erhebung ist der Stanley Hill mit 304 Metern. Dyke Bay und Leopard Beach muten fast schon Südsee-artig an und die weissen Strände sind einfach wunderschön. Wäre nicht der immer wehende Wind, hätte man sich fast einbilden können, an einem tropischen Strand zu sein. Am letzten Morgen gab es noch schöne bunte Wolken zum Sonnenaufgang.

Alles in allem war es schön auf Carcass Island und wir sahen einige Vögel, die wir bisher nicht gesehen hatten. Aber auch Carcass würden wir uns das nächste Mal schenken und lieber mehr Zeit auf Sea Lion Island oder Bleaker Island verbringen. Pinguine ziehen halt doch mehr ;)

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Dyke BayLeopard Beach

Mehr Fotos von Carcass Island gibt es in unserer Carcass Island 1 Fotogalerie und Carcass Island 2 Fotogalerie auf unserer Webseite.

Von Carcass Island aus machten wir einen Tagesausflug nach West Point Island und was wir auf diesem lohnenden Ausflug erlebt haben, könnt Ihr im nächsten Kapitel lesen.

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