Shimba Hills National Reserve

11. Juli 2009

Weiter zum Shimba Hills National Reserve

Gegen drei Uhr morgens wurden wir von dem lauten Trompeten eines Elefanten geweckt, der gerade den Fluss überquerte. Hyänen jaulten im Camp oder sehr in der Nähe und vielleicht wollte er klarmachen, wer der Chef der Nacht ist.

Kurze Zeit später ein zweites Trompeten und dann hörten wir auch schon, wie er auf erstaunlich leisen Sohlen bei unserem Zelt auftauchte. Er stoppte kurz, zwängte sich dann lautstark durch den schmalen Durchgang zwischen Zelt und dem kleinen Pavillon mit der Couch und zog gemächlichen Schrittes am Zelt vorbei . Atemlos beobachteten wir ihn – Dank des Mondlichtes konnte man ihn sehr gut sehen und selbst die recht grossen Stosszähne leuchteten im Mondschein. Er zog weiter Richtung Ufer und die Hyänen führten ihr Konzert fort.

So ging eine etwas unruhige Nacht zu Ende, aber wir hatten darauf gehofft, dass uns der Elefant nochmal besuchen würde. Das gehört mit Sicherheit zu den speziellsten Erlebnissen, die wir je hatten und war sehr faszinierend.

Um kurz nach sechs Uhr gingen wir zum Frühstück und genossen den Blick über den Galdena River. Ein paar letzte Spässchen mit Duncan und Emmanuel und wir machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, den Shimba Hills.

Duncan, unser sympatischer Room Steward, hatte nun eine Woche Ferien und fuhr mit uns zu seiner Familie nach Voi, das wir nach rund 45 Minuten erreichten. Nach weiteren 2 1/2 Stunden Fahrt bogen wir von dem Highway ab auf die C107 Richtung Kinango, die nun wieder unbefestigt war. Die Strassenqualität auf dem letzten Stück, für das wir zwei Stunden benötigten, war ganz unterschiedlich: mal ging es nur sehr langsam voran, aber dann gab es auch Abschnitte, wo Joseph sage und schreibe 60 km/h fahren konnte .

Um 13 Uhr erreichten wir dann die Shimba Hills Lodge *, die inmitten des Waldes liegt. Was für ein Kontrast zum trockenen Busch im Tsavo Ost! Nach einem Willkommensgetränk und der Registrierung bezogen wir unser Zimmer, das sehr klein, aber zweckmässig war. Es gab zwei Einzelbetten mit Moskitonetz, einen Schrank und eine Ablage mit Wasser zum Zähneputzen; Dusche und Toilette waren auf der anderen Seite vom Gang zur gemeinsamen Nutzung. Vom Balkon aus hatte man einen guten Blick über das Wasserloch, an dessem Ufer sich gerade ein Schreiseeadler in einem Baum niederliess. In der Lodge tobten zahlreiche rote Eichhörnchen; eine Eichhörnchenmutti hatte ein Junges dabei, das sie erst trug, dann aber auch allein über die Balkondächer kletterte. Niedlich!

Diashow Shimba Hills Lodge (Klick für grössere Bilder):

Wir gingen zunächst zum Mittagessen, das wir hier wieder zusammen mit Joseph verbringen konnten. Das Essen war von guter Qualität, konnte aber gegenüber den kulinarischen Genüssen von Galdessa nur etwas abfallen. Es ist italienisch geprägt und durchaus schmackhaft.

Nach dem Lunch machten wir eine kleine Pause und Gerd wurde von einem charmant wuseligen Room Steward die sanitären Anlagen erklärt. Dann zeigte er Gerd noch die Suite, die am Ende des Ganges lag: ein geräumiger Eingangsbereicht mit Sofa, zwei Sesseln und einem Kühlschrank sowie ein Schlafzimmer mit Doppelbett und ein eigenes Bad. Wir überlegten eigentlich nicht lang, zahlten die zusätzlichen 3000 Ksh für dieses Zimmer und zogen rasch um. Wir genossen die Aussicht mit Joseph vom grossen Balkon und konnten ihm seine gewünschte warme Diet Coke anbieten, während wir ein Glas kalten (!) Wein genossen.

Kurze Zeit später starteten wir zum Game Drive und hofften darauf, die nur hier vorkommenden Säbelantilopen zu finden. Wir fuhren durch den dichten Wald und sahen zunächst keine Tiere, doch dann fanden wir eine offene Fläche, wo eine Gruppe Zwergspinte auf Insektenjagd war. Sie setzten sich regelmässig auf Ansitzäste, die zwar weit entfernt waren, aber wir konnten sie trotzdem gut beobachten. Was für niedliche, immer scheinbar etwas übel gelaunt reinschauende, bunte Vögel !

Gegen Ende trafen wir auf eine kleine Gruppe grasender Elefanten, die hier viel kleiner sind als die Elefanten vom Tsavo Ost, und auf einen grossen Giraffenbullen, der uns ebenso bestaunte, wie wir ihn. Säbelantilopen sahen wir nur weit entfernt auf einem Hügel durch das Fernglas, aber wir haben ja morgen noch einen Tag !

Wir assen mit Joseph zu Abend und auch das Abendessen war von guter Qualität. Wir bekamen Besuch von einem Buschbaby, das uns neugierig beäugte – ein niedlicher kleiner Geselle!

Highlight des Tages: die Eichhörnchen und die Buschbabies

Diashow (Klick für grössere Bilder):
Giraffe (Giraffa camelopardalis tippelskirchi)Elefant (Loxodonta africana)Steppenpavian (Papio cynocephalus)
12. Juli 2009

Säbelantilopen!

Wir haben geschlafen wie die Babies und konnten die Morgenstimmung bei einer Tasse Kaffee vom Balkon aus geniessen. Die Schreiseeadler sassen schon sehr früh auf ihrem Baum am Wasserloch und liessen sich im schönen Morgenlicht fotografieren.

Wir trafen Joseph zum Frühstück, das aus Obst, Omelette, Bohnen, Schinkenspeck, Toast und Kaffee bestand. Die hübschen roten Eichhörnchen leisteten uns Gesellschaft und wir konnten nicht widerstehen, ihnen ein wenig Melone und Toast zukommen zu lassen. Allerliebst, wie sie manierlich die Nahrung wegmümmelten!

Wir holten unsere Lunchpakete ab und machten uns auf den Weg in den Park. Fast zwei Stunden lang war kein Tier zu sehen, weder Vogel noch Säugetier und nach einem kurzen Regenschauer machten wir eine Pause am Ocean View Point. Nach einer kurzen Lagebesprechung beschlossen wir, die Mittagspause auf unseren hübschen Balkon zu verlegen und unser Glück nochmal am Nachmittag zu versuchen. Doch dann bogen wir um eine Kurve und plötzlich sahen wir sie: eine Gruppe von Säbelantilopen, die nur hier in den Shimba Hills vorkommen Es sollte wohl Fotografenschicksal sein, dass es ziemlich genau 12 Uhr mittags war und das Licht so ungünstig und unvorteilhaft war, wie es nur sein konnte! Wir genossen den Anblick dieser schönen Antilopen aber dennoch und wenn sich mal eine Wolke vor die Sonne schob, konnten wir auch einige Fotos machen. Diese hübschen Tiere waren es echt wert!

Wir fuhren dann zurück und machten alles bereit für das gemeinsame Mittagessen. Leider fanden wir am Rande des Balkons einen sehr hübschen aber toten Vogel: einen Glanzelsterchen, der anscheinend vor die Fensterscheibe geflogen war. Armer kleiner Kerl !

Im Lunchpaket waren Eier, ein leckeres Stück Beef, Obst, Saft und kalte, labberige Pommes mit Ketchup. Wir wissen nicht, ob das auf den Touristikfachschulen so gelehrt wird, aber irgendjemand sollte mal erklären, dass kalte Pommes kein kulinarischer Höhepunkt sind – brrrr .In Tanzania hatte uns schonmal ein ähnliches Schicksal im Ngorongoro Krater ereilt

Gegen 16 Uhr fuhren wir zurück in den Park und trafen nach kurzer Zeit auf einen sehr geduldigen Mangrovenliest. Er liess sich von uns überhaupt nicht stören und wir konnten einige schöne Fotos machen, die allerdings vor dem dunklen Hintergrund des dichten Waldes eine belichtungstechnische Herausforderung waren .

Ich hatte den Säbelantilopen heute Mittag gesagt, sie sollten bitte gegen 17 Uhr wieder an derselben Stelle sein und tatsächlich waren sie da! Leider hatte ich vergessen, ihnen zu sagen, dass sie auf der andere Seite der Strasse sein sollten und so standen sie arg ungünstig gegen die Sonne . Wir machten dann aus der Not eine Tugend und fotografierten sie als Silhouette im Gegenlicht – besser als nix

Die grosse Gruppe Büffel war wieder an ihrem gewohnten Platz zu finden und auch hier ergaben sich einige feine Fotogelegenheiten im nun weichen Nachmittagslicht. Es war schon wieder Zeit, zurück zur Lodge zu fahren, wo die beiden Schreiseeadler bereits in ihrem Baum auf uns warteten. Die Sonne war bereits untergegangen, aber das letzte rosafarbene Licht war ganz bezaubernd für unsere Adler, die ein letztes Mal riefen und dann zu ihrem Schlafplatz flogen.

Wir assen zu Abend und wurden dabei von den neugierigen Buschbabies beobachtet – natürlich fiel auch der eine oder andere Happen für sie ab Auf der Plattform unten am Wasserloch wurde vom Hotel Futter bereit gestellt und von einer Ginsterkatze dankbar abgeholt. Schön, dass man diese scheue Katze mal sehen konnte!

Wir sassen zum Abschluss auf dem Balkon und überlegten, wie wir dem Glanzelsterchen ein würdiges Ende verschaffen könnten. Gerd nahm die Kleiderstange aus dem Schrank, wir plazierten den kleinen Kerl darauf und legten ihn in eine Astgabel gegenüber des Balkons in den Baum. So war er zumindest wieder in der Natur und wird nicht achtlos weggeworfen. RIP, kleiner Vogel !

Highlight des Tages: die Säbelantilopen

Diashow (Klick für grössere Bilder):
Säbelantilope / Rappenantilope (Hippotragus niger)Braunkopfliest (Halcyon albiventris orientalis)Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer)Zwergspint (Merops pusillus)
13. Juli 2009

Weiterfahrt in den Tsavo West Nationalpark

Da wir heute eine lange Fahrt vor uns hatten, gab es bereits um sechs Uhr Frühstück. Die Eichhörnchen schliefen noch, doch schon bald hörten wir die Rufe der Schreiseeadler, die sich kurze Zeit später auf ihrem Lieblingsbaum niederliessen.

Vor der Abfahrt schaute ich nochmal nach unserem kleinen Glanzelsterchen und er wurde in der Tat wieder zum Teil der Natur: Ameisen hatten ihn entdeckt!

Was wir im Tsavo West Nationalpark mit der afrikanischen Tierwelt erlebten, könnt Ihr im nächsten Kapitel lesen.


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