Azoren – São Jorge

30. April 2013

Weiterreise nach São Jorge

Dieser Morgen begann mit einem aussergewöhnlichen Erlebnis. Wir standen früh auf und erreichten die Küste von Caloura noch im Dunkeln, um Fotos vom Strand und der Lavaformationen im Mondlicht zu machen. Es wurde langsam hell, aber ich bemerkte sehr schnell, dass es ein weiterer lichtloser Morgen werden würde. So konzentrierte ich mich auf stimmungsvolle Aufnahmen der See mit den Felsen, als plötzlich der Boden unter meinen Füssen zwei Mal heftig schwankte Als erstes fluchte ich über mein instabiles Stativ , bis ich realisierte, dass das gerade ein Erdbeben war! Wir erfuhren später, dass es eine Stärke von 5.9 hatte und das stärkste der letzten 10 Jahre war Das Epicenter lag nur 28 km entfertn auf See in einer Tiefe von 10 km.

Wir zogen weiter zu einer kleinen Bucht bei Caloura, wo ich mich auf Wellenfotos konzentrierte. Die Wellen hatten die ganze Zeit alle mehr oder weniger dieselbe Stärke und waren voraussehbar, aber plötzlich wurde ich von zwei aufeinander folgenden hohen Wellen erfasst und war völlig durchnässt! Auf einem Foto, das ich nur 15 Sekunden vorher gemacht hatte, sah ich spä die zwei Wellen, die total anders aussahen, aber ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob diese Wellen eine Art Mini-Tsunami waren, die von dem Erdbeben verursacht worden sind Merkwürdig war es aber trotzdem und es war so ganz anders als die berühmt-berüchtigte Regel, dass jede 10. Welle hoch ist! Hier ein Foto der Wellen, die sich danach innert Sekunden nochmal auftürmten

Tropfnass stapfte ich die Treppen zum Parkplatz hinauf und wir fuhren zurück ins Hotel. Wow, was für ein Morgen!

Wir frühstückten und in der Zwischenzeit hatte sich auch die Sonne durchgesetzt. Wir genossen ein wenig Sonnenschein auf der Terrasse, bevor wir zum Flughafen fuhren, das Auto abgaben und für unseren Flug via Terceira nach São Jorge eincheckten.

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Der Flug war pünktlich, wir nahmen unser Auto wieder bei Ilha Verde entgegen und fuhren zuerst in den Hauptort Velas, um Lebensmittel im örtlichen Supermarkt einzukaufen. Unsere Unterkunft Jardim do Triângolo in Urzelina war nur eine kurze, 10-minütige Fahrt entfernt von Velas und wir wurden vom Besitzer Chris freundlich begrüsst. Er zeigte uns das Areal, erklärte uns Besonderheiten und unterhielt uns mit lustigen Anekdoten. Gerd und ich bekamen das kleine Studio mit Küche und Gerds Mutter hatte das Doppelzimmer neben uns. Die Räume sind schön und sauber und von einem wunderschönen Garten umgeben, doch es gab auch hier das Problem mit der klammen Bettwäsche. Leider gab es keinen Radiator, was es für Gerds Mutter sehr ungemütlich machte, die sich die ganze Zeit über nicht wirklich wohl fühlte und es war ihr ständig zu kalt. Sie tat uns wirklich leid, aber es gab nichts, was wir wirksam tun konnten

Kurze Zeit später waren dann auch der Hund Stella und Chris′ Katze zur Stelle und begrüssten uns Neuankömmlinge, während wir einzogen.

Diashow Jardim do Triângolo (Klick für grössere Bilder):

Das Wetter war wieder unbeständig ohne Hoffnung auf schönes Licht und so fuhren wir nach Santo Amaro und assen im 'Fornos de Lava' Restaurant zu Abend. Das Essen war okay, nicht so ölig und die Leute im Lokal sehr freundlich. Wir genossen unser Dinner bei einer Flasche Wein von den Azoren und fuhren dann müde zurück nach Urzelina.

Highlight des Tages: das Erdbeben

1. Mai 2013

São Jorge

Die nächsten beiden Tage konnte man getrost vergessen! Das Wetter war sehr schlecht und nun war auch noch Gerds Mutter mit Magen- und Darmproblemen krank. Es muss wirklich das viele Öl sein – wir haben keine andere Erklärung, denn auch bei ihr ging es relativ schnell vorbei und sie war nach einem Tag so gut wie wieder hergestellt.

Gerd und ich versuchten uns an hoffnungslosen Fotos bei bedeckten Himmel, fuhren aber bald wieder zurück. Wir gingen zum Frühstück ins Haupthaus, wo Chris bereits allerlei Leckereien vorbereitet hatte: Kaffee oder Tee, Müsli, Tomaten und Paprika, schmackhaften Käse von São Jorge, Aufschnitt, Marmelade, Joghurt und Fruchtsalat. Chris ist ein sehr unterhaltsamer Gastgeber, der seine Anekdoten sehr amüsant und lustig erzählt – grossartige Unterhaltung ist beim Frühstück inklusive!

Wir fuhren dann los, um etwas Location Scouting auf der Insel zu machen und schauten hinunter zu den fantastischen Fajã dos Cubres und Fajã do Ouvidor, wo wir auch einen kleinen Spaziergang zu dem natürlichen Felsenschwimmbad machten. Das war dann auch der Zeitpunkt, wo es Schwiegermutter schlecht wurde und wir zurück ins Hotel fuhren. Wir kochten ihr Tee, sie ging zu Bett und schlief den Rest des Tages während wir uns entspannten und ich am Reisebericht arbeitete.

Highlight des Tages: hmmm, eigentlich nix

2. Mai 2013

São Jorge

Es war ein komplett verregneter Tag, den Gerds Mutter zur weiteren Erholung nutzte. Gerd und ich fuhren am Nachmittag zur Fajã do Ouvidor, wo wir einen Fotografen trafen, den ich über Facebook kennengelernt habe: Rui Vieira. Rui ist auf São Jorge zuhause und auf Landschaftsfotografie der drei Inseln im Triangulo spezialisiert: São Jorge, Pico and Faial. Ein Besuch seiner Webseite ist sehr lohnenswert – er ist ein grossartiger, talentierter Fotograf mit einem feinen Gespür für Licht!

So trafen wir ihn, seine Freundin Susana und ihren süssen 4 1/2 Monate alten Sohn Nuno in ihrem Ferienhaus in Fajã do Ouvidor. Wir unterhielten uns bei Thunfisch, Käse, Brot, Wein und Likör sehr interessant und angeregt über Fotografie, die Inseln und über das Leben auf den Azoren. Es war wirklich sehr schön, Rui und seine kleine Familie zu treffen und wir verabredeten uns zu einem gemeinsamen Shooting zum Sonnenuntergang am kommenden Montag.

Es regnete immer noch, als wir zurück waren und so hatten wir nur ein leichtes Abendessen und gingen früh zu Bett.

Highlight des Tages: Das Treffen mit Rui und Susana

3. Mai 2013

São Jorge

Gerd und ich standen kurz vor fünf Uhr auf und wir fuhren zum Aussichtspunkt hoch über der Fajã dos Cubres. Dieser Ort ist bei Fotografen sehr populär und man sieht auch sofort, warum das so ist: der Blick über die Fajã dos Cubres zur Fajã da Caldeira do Santo Christo mit der zerklüfteten Steilküste ist einfach nur atemberaubend! Trotzdem machte ich nur ein paar Fotos in der blauen Stunde mit Sturmwolken, da es keinerlei Anzeichen für warmes Morgenlicht gab, aber ich war auch damit zufrieden .

Wir fuhren danach hinunter zur Fajã und wanderten über die Pfade der Lagune, bis wir einen guten Standpunkt zur Beobachtung der Fluss-Seeschwalben (Sterna hirundo) fanden. Die Vögel befinden sich gerade in der Paarungszeit und wir konnten sogar ein glückliches Seeschwalbenpaar bei der Nachwuchsproduktion beobachten . Es gab generell viel Aktion in der Kolonie und es war grossartig, diesem Treiben eine Weile zuzuschauen.

Wir kehrten schliesslich nach Urzelina zurück, frühstückten bei guter Unterhaltung von Chris und entschlossen uns zu einem Ausflug an die Ostseite der Insel. Wir fuhren nach Topo, aber es war dick bewölkt, neblig und sehr windig. Der Blick über die See und die Küste war schön, aber es war einfach zu ungemütlich, um länger zu bleiben.

So fuhren wir weiter zur Fajã de São João, wo wir einen kleinen Spaziergang durch das Dorf an der Küstenlinie entlang machten. Die traditionellen Häuser aus Natursteinen und den kleinen, adretten Gärten mag ich sehr, da sie so gemütlich aussehen. Wir assen schliesslich im Studio zu Mittag und während Gerds Mutter im Hotel bleiben wollte, um sich vollständig von der Magenverstimmung zu erholen, fuhren Gerd und ich zum Sonnenuntergang nach Velas.

Wir wurden dieses Mal nicht enttäuscht und wurden mit grossartigem Abendlicht und dramatischen Wolken über den Klippen von Velas belohnt. Die Gelbschnabelsturmtaucher (Calonectris diomedea) waren in der Dämmerung aktiv und umkreisten uns mit ihren typischen, lustigen Rufen 'aua-auaaa-oiii' Sie kommen nur zur Brutzeit an Land und verbringen ihre meiste Zeit draussen auf See.

Wir genossen den superschönen Sonnenuntergang, der uns mit fantastischen Farben verwöhnte und wir warteten danach, bis es dunkel genug für Sternenfotos über den Klippen war. So ging ein recht trostloser Tag noch mit einem guten Ausgang zu Ende .

Highlight des Tages: Sonnenuntergang bei Velas

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Fajã dos CubresFluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo)Mittelmeermöwe (Larus michahellis atlantis)Velas
4. Mai 2013

São Jorge

An diesem Morgen fuhr ich allein zur Fajã dos Cubres. Als ich aufstand, war der Himmel zu meiner grossen Überraschung sternenklar und ich machte mich schnell auf die Socken; zum Glück sind die Wege auf den Azoren fast immer recht kurz. Ich bin einfach nur fasziniert von diesem Panoramablick – absolut erste Klasse, einer der schönsten Ausblicke über eine Steilküste, die ich kenne!

Das Morgenlicht war dann in der Tat voller Dramatik und ich war ziemlich glücklich über die erreichten Fotos, die so wurden, wie ich es mir vorher vorgestellt hatte. Was für eine herrliche Stimmung: die Natur erwachte, die Vögel stimmten ihre Morgenlieder an, das Geräusch der Brandung weit unter mir und die kühle (aber feuchte!) Morgenluft! Glücklich und zufrieden fuhr ich zurück zur Unterkunft, wo wir alle gemeinsam frühstückten.

Gerds Mutter fühlte sich endlich besser und wir machten einen Ausflug zum Parque florestal das Sete Fontes bei Rosais an der Westküste. Der Blick vom Aussichtspunkt war durch Nebel versperrt, aber Gerd machte mit seiner Mutter einen Spaziergang durch den Park, während ich mich an Makros der Moose an den Bäumen probierte.

Das Wetter hatte sich wieder verschlechtert ohne Hoffnung auf Abendlicht und so verbrachten wir den Abend mit netten Unterhaltungen bei Wein und Käse.

Highlight des Tages: der epische Sonnenaufgang

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5. Mai 2013

São Jorge

Und auch dieser Morgen war wieder vollständig bedeckt, so dass ich mir nicht die Mühe machte, aufzustehen .

Wir verbrachten ein weiteres lustiges Frühstück mit Chris und fuhren hinüber nach Velas, wo wir auf den Gipfel des Hausbergs spazierten. Von dort hat man einen schönen Überblick über Velas und über die gesamte Küste. Es war ein netter Bummel und wir belohnten uns mit einem guten Mittagessen in dem spanischen Restaurant in Santo Amaro.

Es war schon spät, als wir nach Urzelina zurück kehrten und der Himmel schaute vielversprechend für Sonnenuntergang aus.

Ich verbrachte einige Zeit an der Küste und fotografierte die bizarren Lavaformationen im letzten Licht des Tages. Ausserdem war zum ersten Mal der Vulkan von Pico, immerhin der höchste Berg Portugals, in der Ferne zu sehen!

Die alten restaurierten Windmühlen machten sich ebenfalls gut und ich fotografierte emsig vor mich hin, bis die Sonne als grosser Ball hinter den Klippen von Velas unterging. Was für eine fantastische Stimmung und was für ein tolles Ende eines durchwachsenen Tages!

Ich kehrte zurück und ging bald darauf nach einem Glas wohl verdienten Weines ins Bett.

Highlight des Tages: die herrlichen Sonnenuntergangsfarben

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6. Mai 2013

São Jorge

Gerd und ich standen kurz vor 5 Uhr auf und fuhren auf die Sonnenaufgangsseite der Insel hinunter in die Fajã da Ribeira da Areia. Hier steht auch der wunderschöne Lavabogen, dessen Position aber zu dieser Jahreszeit leider nicht ideal für Sonnenauf- oder -untergänge ist. So plazierten wir uns auf der anderen Seite des Dorfes und machten Fotos der zerklüfteten Küste im Mondlicht. Die Gelbschnabelsturmtaucher waren noch da und umflogen uns mit ihrem einzigartigen Lied

Bald darauf begann die blaue Stunde und die Küste sah mit der stürmischen See und den Lavafelsen wunderschön aus. Der Sonnenaufgang war dann aber nicht mehr ganz so klar wie am Vortag, aber es gab doch einige interessante Farben und schöne Wolken. Wir waren mehr als zufrieden mit unserer Ausbeute dieses Morgens und fuhren zurück zum Frühstücken nach Urzelina.

Es war bereits unser letzter voller Tag auf São Jorge und so entschieden wir uns für die klassischste Wanderung, die allgemein auch als die landschaftlich schönste gilt: die ungefähr fünf Kilometer von der Fajã dos Cubres zur Fajã da Caldeira do Santo Christo. Es war ein schöner Spaziergang, aber wir fanden sie alle nun nicht so spektakulär wie sie oft beschrieben wird. Man läuft zumeist durcht dichte Vegetation und man hat kaum Aussichten auf die See und die schöne Küste. Wie auch immer, es war eine nette Abwechslung und wir genossen die Wanderung sehr. Gerd und seine Mutter gingen bis ins Dorf, während ich bei der Lagune einige Makros der Pflanzen machte, die sich durch das Lavagestein kämpfte. Es ist faszinierend: die Pflänzchen nutzen die kleinste Lücke im Gestein und suchen sich ihren Weg.

Wir gingen langsam zurück und trafen auf eine sehr geduldige kleine Eidechse, die eine ganze Weile willig für mich posierte. Süsser kleiner Geselle und ich war mir nicht sicher, wer da neugieriger war: die Eidechse darüber, was ich da wohl vorhatte oder ich darüber, wie lange sie noch posieren würde

Wir kehrten schliesslich noch in die kleine Bar in der Fajã dos Cubres ein, wo wir eine nette Unterhaltung mit der Pächterin und ihrem Mann hatten und es uns bei Rotwein und einheimischen Käse gut gingen liessen. Es war ein warmer Tag heute und wie schön war es, hier in der warmen Sonne zu sitzen und Wein und Käse zu geniessen

Es war Zeit aufzubrechen und wir mussten schon wieder unsere Reisetaschen packen, da wir Morgen nach Pico weiterziehen würden. Gerd und ich trafen uns um 19 Uhr mit Rui auf dem Parkplatz des Parque Forestal in Rosais. Von dort nahmen wir seinen 4x4 und fuhren die fünf Kilometer bis zum Leuchtturm. Wir bahnten uns einen Weg durch die dichte Vegetation hinter dem Leuchtturm bis wir plötzlich hoch auf den Klippen am westlichsten Punkt der Insel standen und auf die spitzen Felsen unter uns schauten. Es war ein grossartiger und dramatischer Anblick und wir begannen alle zu fotografieren, als die Sonne tief genug stand. Es war sehr schön zusammen mit Rui, mit dem wir uns über unsere Fotografie Erfahrungen unterhielten und die Aussicht bewunderten. Das gute Licht und der Sonnenuntergang waren mal wieder viel zu schnell vorbei, aber wir blieben noch eine Weile, um uns zu unterhalten und die Möwen im Flug zu beobachten.

Schliesslich kehrten wir zum Parkplatz zurück, dankten Rui für den tollen Abend und verabschiedeten uns. Was für ein grossartiges Ende eines Tages mal wieder!

Gerd und ich tranken zurück in Urzelina noch ein Glas Wein, während wir den Tag Revue passieren liessen und gingen dann zufrieden schlafen.

Highlight des Tages: Sonnenuntergang in Rosais

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Madeira-Mauereidechse (Teira dugesii)
7. Mai 2013

Weiterreise nach Pico

Es war eine sehr kurze Nacht, als wir um fünf Uhr aufstanden, um ein letztes Mal zur Fajã dos Cubres zu fahren. Wir hatten richtig Glück, denn es war sternenklar und wir konnten Sternenfotos machen, bevor die Dämmerung einsetzte.

Und am letzten Tag bekamen wir endlich unseren goldenen Sonnenaufgang – manchmal braucht man eben nur etwas Glück und Geduld Wir kehrten glücklich nach Urzelina zurück und genossen mit Vergnügen unser letztes Frühstück mit Chris.

Es war heute ein langweiliger Reisetag. Wir trafen uns zum Mittagessen mit Rui, Susana und Nuno in Velas und verabschiedeten uns von ihnen. Wir werden sie wirklich vermissen – sie sind eine süsse kleine Familie!

Nun war es Zeit zum Flughafen zu fahren, wo wir das Auto abgaben und auf den Abflug warteten.

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Im nächsten Kapitel könnt Ihr lesen, was wir auf der schönen Insel Pico erlebten.

Alle Fotos von den Azoren findet Ihr in den Azoren Fotogalerien auf unserer Webseite.


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