Typisch Madeira: Regen und Sonne

Die Wolken hingen immer noch tief und es regnete leicht, als ich aufstand. So entschied ich mich, heute nicht herauszufahren und blieb im Apartment. Bei Milchkaffee schrieb ich an der deutschen Version dieses Reiseberichts, während Gerd noch schlief. Er stand gegen 8 Uhr auf und wir gingen hinüber ins Haupthaus zum Frühstück. Der Regen war nun sehr stark und wir schauten im Internet nach, wie es auf den Webcams an anderen Orten Madeiras aussah. Und voilà – auf der anderen, südlichen Seite, gab es ein wenig Sonnenschein und so packten wir unsere Kamerarucksäcke und begannen unseren Tagesausflug.

Der Regen auf der Nordseite war fast sintflutartig und wir konnten noch nichtmals das Auto verlassen, um die Lorbeerbäume nahe dem Encumeada Pass zu fotografieren – wir wären innert Sekunden pitschnass gewesen! So fuhren wir weiter, machten einen kurzen Halt am Supermarkt in Ribeira Brava und dann war er da: Sonnenschein pur! Es war fast unwirklich: blickten wir zurück, war es oben in den Bergen grau und regenverhangen, während wir in kurzen T-Shirts in der Sonne und unter einem blauem Himmel standen. Das ist Madeira!

Wir fuhren auf der alten Küstenstrasse weiter bis Ponta da Sol, wo es einen kleinen Wasserfall gab – nochmal Wagenwäsche für den Seat! Wir parkierten am Strand in Ponta da Sol und ich ging hinunter, während Gerd auf dem Parkplatz blieb und einige hübsche gelb-schwarze Vögel fotografierte. Es gelangen ihm zwar nur ein paar Fotos, aber er war recht glücklich darüber, die quirligen Kerle überhaupt erwischt zu haben. Ich verbrachte eine halbe Stunde am schwarzen Lavastrand und fotografierte die Steine und die zerklüftete Küste.

Vor zwei Jahren haben wir in der Nähe von Calheta übernachtet und wir dachten, wir besuchen das Restaurant, wo wir bei unseren ersten Besuchen recht ordentlich essen konnten. Es ist eigentlich ein ziemlich hässliches Hotel direkt am noch hässlicheren Strand (wegen der grossen Wellenbrecher aus Beton), aber das Essen ist gut und frisch. Wir genossen eine längere Pause und setzten unsere Tour fort. Wir fuhren hinunter nach Jardim da Mar, passierten Paul do Mar und es ging wieder in Serpentinen hinauf nach Fajã da Ovelha, von wo sich uns eine spektakuläre Aussicht fast 300 Meter hinunter auf die Küste von Paul do Mar bot. Es ist schon irgendwie komisch, dass der Fussballplatz fast dieselben Dimensionen hat wie der Rest des Dorfes!

Unser nächster Halt war der für seine Aussicht beliebte Leuchtturm von Ponta do Pargo. Der Standpunkt ist wirklich grossartig mit spektakulären Blicken über die Küstenlinie in beiden Richtungen – definitiv eine Traumlocation für Sonnenuntergang, aber leider zu weit entfernt von unserem Apartment während dieser Ferien. Nun ja, das ist zumindest ein guter Grund, nochmals wiederzukommen, oder?
Wir machten hier eine längere Pause und die leichte Brise hatte sich mittlerweile in einen stürmischen Wind verwandelt. Ich war recht nah am Abgrund der Klippen, die hier fast 400 Meter senkrecht nach unten fallen, um zu fotografieren und Gerd ermahnte mich pausenlos, vorsichtig zu sein. Komischerweise empfinde ich bei solchen Sachen keinerlei Schwindel, während ich manchmal grosse Probleme habe, schmale Levadas mit Abgrund auf der einen Seite zu begehen! Da spielt die Psyche mir dann einen Streich! Wir machten trotz des nicht idealen Lichts ein paar Fotos und ich war damit auch nicht so wirklich glücklich. Aber egal, die Aussicht war toll und wir genossen die Zeit hier oben – die guten Fotos gibt es dann eben beim nächsten Besuch!

Es ging ein paar Kilometer weiter bis nach Cabo, wo wir die malerische Kirche Nostra Senhora da Boa Morte ansteuerten. Es gibt einen schmalen Pfad zu einem Aussichtspunkt und ich kann einfach nur immer wieder dieses eine Wort benutzen: spektakulär! Die Steilheit der Küste an diesem Teil Madeiras ist einfach unglaublich. Wir verbrachten eine Stunde hier, lagen im Gras, genossen die Sonne und die Aussicht. Leider kamen dann aber sehr dunkle Wolken auf, die nach Regen aussahen und wir gingen zurück zum Parkplatz an der Kirche.

Unser letzter Stop heute führte uns an die Bergstation der Seilbahn von Achadas da Cruz, die hier ohne Mast steile 448 Meter an den Strand führt. Der senkrechte Blick von hier hinunter and die Küste ist einer der meist fotografiertesten von Madeira und natürlich haben auch wir davon ein Foto mitgebracht. Der Blick entlang der Küste ist hier hingegen weniger spektakulär, aber hier sind die Hauptattraktionen die Seilbahn sowie die Küstenwanderung von der Berg- zur Talstation, die wir dann beim nächsten Mal machen werden.

Es war nun komplett bewölkt und wir fuhren nach Porto Moniz, wo wir unser schon fast gewohntes Glas Wein tranken. Die nette Dame, die hier und im Souvenirshop in São Vicente arbeitet, kam etwas später und brachte uns zu unserer Überraschung als Aufmerksamkeit ein lokales Getränk names Ponchas. Nun, dieser Drink ist eine Mischung aus Rum, Honig, Zucker und Zitronensaft und geht direkt in den Kopf! Aber wie sagte sie so schön: “You will feel very hot”. Prost…

Als allerletztes, nach Ponchas und Wein, fuhren wir nochmals zu unserer Lieblingsstelle an den Strand von Ribeira da Janela. Wegen des starken Windes hatte ich auf hohe Wellen gehofft und ich wurde nicht enttäuscht. Die Wellen waren bis zu drei Meter hoch, als sie auf den kleinen vorgelagerten Felsen krachten und ein schönes Fotomotiv abgaben. Wir verbrachten hier eine dreiviertel Stunde und versuchten die perfekte Welle und den perfekten Moment festzuhalten. Wieder mal kein einfaches Unterfangen! Urteilt selbst, ob es uns gelungen ist…

Zurück im Apartment bereitete Gerd ein leichtes Abendessen während ich mich um unser technisches Equipment kümmerte und die Batterien auflud, die Fotos auf die Bildspeicher sicherte und am Reisebericht arbeitete.

Was für ein Tag trotz des grausigen Wetters am Morgen, aber…

… dies ist Madeira!

Highlight des Tages: der Ponchas und die schönen hohen Wellen in Ribeira da Janela

Fotogalerie: Madeira Fotogalerie 2012

Vorschaufotos:

Diesen Beitrag gibt es auch in: Englisch

F a c e b o o k