Tsavo Ost – Galdessa Camp

Es war ziemlich genau 4 Uhr, als Gerd mich weckte und nach draussen deutete. Und tatsächlich! Im hellen Mondschein lief ganz langsam und gemütlich ein älterer Elefant vorn an unserem Zelt vorbei! Was für ein Glück und er war aufgrund des hellen Mondscheins so gut zu sehen. Wir hörten ihn noch eine Weile, wie er in der Umgebung frass und schliefen dann wieder ein.

Gestern Abend hatten wir Lunch boxes bestellt und machten uns nach einem zeitigen Frühstück auf den Weg zum Mudanda Rock.
Wir fuhren zunächste den Fluss hinauf und es boten sich uns immer wieder schöne Aussichten auf den Verlauf und da das Licht noch sehr sanft war, boten sich auch einige Fotogelegenheiten an. Das Morgenlicht ist um diese Jahreszeit fast bis 9 Uhr zu gebrauchen; erst danach wird es zu hart.
In einer Flussbiegung badeten Flusspferde und dann war plötzlich Schluss mit dem Pad, als wir eine tiefe sumpfige Stelle vorfanden, die ein Weiterkommen oder Umfahren unmöglich machte. Schade, aber nicht zu ändern! Also fuhren wir zurück zum Camp und bogen dann rechts auf den gewohnten Weg ab.

Unterwegs trafen wir auf einen quietschbunten Flammenkopf-Bartvogel, der sehr fotogen auf einem Termitenhügel posierte. Er blieb geduldig sitzen und beobachtete uns genau, so dass wir ihn sowohl bewundern als auch auf den Sensor bannen konnten.

Wir erreichten Mudanda Rock gegen 11 Uhr und da es ein klarer, sonniger Tag war, war das Licht bereits sehr harsch. Der Felsen erhebt sich auf 1,5 Kilometer Länge aus der Savanne und ist durch Wind erodiert. An einer Seite gibt es ein Wasserloch, wo sich Elefanten tummeln, doch um diese Zeit war es ausgetrocknet und es gab keine Tiere. Wir genossen eine Weile die Aussicht und fuhren dann weiter nach Voi, wo Joseph die Tanks auffüllte und eine Tageszeitung kaufte. Wir freuten uns sehr, als wir lasen, dass Roger Federer Wimbledon gewonnen hatte und nun der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten ist!

Joseph sprach mit einem anderen Guide, der ihm genau erklärte, wo in der Gegend vor der Voi Safari Lodge mehrere Löwen gesichtet wurden. Wir setzten die Tour fort und stiessen erstmal auf einen Vogel, auf den wir am meisten gehofft hatten, der aber zur Zeit nicht so häufig zu sehen ist: einen Kampfadler! Der junge Bursche sass in einer Senke zum Trinken und ist erschrocken aufgeflogen, als wir kamen – wir hatten ihn leider zu spät erspäht. Er setzte sich in einen nahen Baum und so konnten wir ihn zumindest durchs Fernglas eine Weile beobachten – wir sind immer wieder aufs Neue von der Grösse und der Kraft dieses Adlers beeindruckt!
Kurz nach der Begegnung mit dem Kampfadler fanden wir dann auch an der beschriebenen Stelle die Löwin, die in einem Busch ihre Beute – einen Wasserbock – versteckt hatte und genüsslich frass. Wir sahen zunächst nur ihr Hinterteil, doch nach einer Weile schaute sie nach, wer denn da an der Strasse ist und wir sahen sie in ganzer Grösse mit ihrem blutverschmierten Leckermäulchen. Beeindruckend!

Wir fuhren ein Stück weiter, bis wir ein schattiges Plätzchen zum Parkieren fanden und assen unseren mitgebrachten Lunch. Nach der Pause war es nicht weit, bis wir dann die zweiten Löwen fanden. Diesmal war es eine Löwin mit ihrem Partner, die in der Paarungszeit waren. Kaum angekommen, fühlten sie sich auch schon zu einem Paarungsvorgang animiert und wir konnten es zum ersten Mal selber beobachten – bisher hatten wir dies immer nur in Dokumentationen gesehen. Das Paarungsritual dauerte weniger als eine Minute und die beiden liessen sich wieder zum Dösen in den Schatten fallen. Die Paarungszeit dauert sieben Tage und nach rund drei Monaten werden dann die kleinen Löwen geboren.
Wenige Minuten später traf ein weiteres Safarifahrzeug ein und irgendwie schien das die Löwen wieder aufzuwecken und wir wurden Zeuge von Paarungsvorgang Nummer Zwei: ein gemeinsames lautes Knurren und – schwups – fiel man wieder um; was für ein Leben!

Galdessa campAuf der Rückfahrt zum Camp sahen wir einige Gabelracken, Giraffen, Büffel, viele Zebras, Elefanten und eine Kuhherde. Joseph erklärte, dass diese illegal von Leuten aus Somalia eingeführt wurden und er zählte die Kilometer bis zum Gate, wo er die Beobachtung meldete.

Zurück im Camp machten wir mit Duncan einen kleinen Spaziergang und nutzten das schöne Licht für Flussaufnahmen. Vor allem die Sicht vom vordersten Zelt auf die Flussbiegung ist spektakulär. Wir genossen die Landschaft bis der Mond dunkelorange hinter dem Yatta Plateau aufging. Wir schnappten uns unsere Ausrüstung und gingen mit Duncan wieder zum vorderen Teil. Zwei Flusspferde überquerten gerade den Fluss im Mondschein – es war eine schon fast kitschige afrikanische Idylle! Wir probierten einige Aufnahmen und genossen danach das leckere Abendessen.

Highlight des Tages: die Löwen und der Mondaufgang

Vorschaufotos:

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