Sonniger Schneesturm

Es war noch bedeckt, als ich den neuen Tag begrüsste, aber ich ging dennoch für einen Spaziergang in die Umgebung des Rorbuer raus. Ich ging bis zum Leuchtturm an der Mole und fand einige ruhige Kompositionen der Berge mit den vorgelagerten Felsen. Es klarte langsam auf, wie vom Wetterdienst vorausgesagt: es sollte ein schöner trockener Tag mit einem Mix aus Wolken und Sonne geben…

Ich ging zurück zum Rorbuer, wir frühstückten und starteten freudig in den Tag. Wir wollten nach Reine fahren, da wir beide diese spektakuläre Gegend sehr mögen und wir schauen wollten, wie sehr es sich in den letzten acht Jahren nach unserem ersten Besuch verändert hat. Unser erster Halt auf dem Weg führte uns nach Hella am Torsfjorden, wo wir eine wundervolle Winterlandschaft vorfanden mit zugefrorenen Seen und schneebedeckten Bergen.

Als wir in Reine ankamen, war es immer noch bedeckt mit ein paar Aufhellungen und wir machten ein paar Fotos vom wunderschönen Reinefjorden. Dies ist eine – wenn nicht DIE – Gegend der Lofoten, die mir am besten gefällt. Viel Drama, schroffe Berge, tiefe Fjorde und dramatisches Licht – hier wird das alles auf einem Teller serviert:)Wir assen an diesem schönen Ort zu Mittag und bemerkten eine schwarze Wolkenwand, die sich Richtung südliches Ende der Insel schob. Hmmm….

Schon kurze Zeit später begann der Schneesturm, der fortan nicht mehr aufhören sollte! Trockenes Wetter? Was für ein Witz wieder mal!!! Auf dem Rückweg nach Leknes schneite es heftig und ich fuhr streckenweise in einem kompletten White-out!

Doch als wir den Pass bei Napp überfuhren, bemerkte ich ein einsames Lichtloch an der Küste und war mir sicher, dass es in Uttakleiv war. Ich änderte rasch die Route und wir fuhren zum Strand. Es war eine goldrichtige Entscheidung: als wir den Tunnel verliessen, wurden wir von einem fantastischen Abendlicht empfangen und … von drei Minibussen mit Fotografen. Am Strand tummelten sich mehr als ein Dutzend Fotografen mit Stativen und ich versuchte irgendwie, noch meinen Platz dazwischen zu finden. Das war nicht angenehm und machte wenig Spass und ich war doch ein wenig enttäuscht über dieses Erlebnis an unserem letzten Abend und dem einzigen Sonnenuntergangslicht der ganzen Reise:(Ich versuchte aber, das Beste daraus zu machen und kam zurück mit ein paar stimmungsvollen Langzeitbelichtungen.

Das Licht verschwand schnell nach Sonnenuntergang und wir kehrten ins Auto zurück, um uns aufzuwärmen. Ich dachte, ich könnte noch ein paar Aufnahmen zur blauen Stunde am Strand von Hauklund machen, aber als wir aus dem Tunnel kamen, hatte uns der Schneesturm schon wieder eingeholt.

So fuhren wir zurück nach Ballstad, wo wir unser letztes Kjotboller Abendessen hatten und warteten darauf, dass sich der Himmel nochmals aufklaren würde. Es dauerte auch in der Tat nicht lange und ich sah die ersten Wolkenlücken mit Sternen! So eilten wir zum Auto und machten uns auf die Polarlichtjagd. Wir fuhren als erstes Myrland an und wurden von einem riesigen Nordlicht begrüsst. Ein grosser Bogen über dem gesamten Fjord – gigantisch! Wir verweilten dort und fuhren dann hinüber zum Strand nach Flakstad. Zu unserer grossen Überraschung gab es am Strand und Parkplatz keinen einzigen weiteren Fotografen! Wir konnten unser Glück kaum fassen und ich eilte hinunter an den Strand. Gerade rechtzeitig für ein unfassbar gigantisches Himmelsfeuerwerk. Die Aurora war riesig und bedeckte fast den gesamten Himmel und mir gefielen besonders die Reflektionen im nassen Sand. Die Polarlichter tanzten ohne Unterlass am Himmel und plötzlich waren der Strand und die Berge vollständig grün erhellt: über unseren Köpfen explodierte der Himmel mit einer wunderschönen Corona! Wooooow….!!! Wir starten atemlos hinauf in den Himmel, der in grün und lila über uns wie ein Feuerwerk explodierte. Es war ein unglaublicher, unvergesslicher Moment, den ich in meinem Leben nie mehr vergessen werden. Ich schrie und sprang am Strand herum und vergass fast die Fotos – Glückshormone pur!! Gigantisch, fantastisch – einfach nur fabelhaft! Dieses Feuerwerk dauerte noch ein paar Stunden an und wir genossen es aus vollen Zügen.

Wir fuhren nochmals zurück zum Strand von Haukland, wo wir von einem weiteren spektakulären Feuerwerk überrascht wurden. Die Location war als Vordergrund fantastisch und ich merkte weder Wind noch Kälte, während ich fotografierte und dem Polarlichttanz im Himmel zuschaute. Auch hier gab es keine anderen Fotografen – wir verstanden das beide nicht, aber vielleicht waren sie vom Schneesturm nach Sonnenuntergang entmutigt.

Die Polarlichter wurden gegen 2:30 morgens schwächer und wir fuhren völlig überwältigt und glücklich zurück zum Rorbuer. Das Erlebnis dieser Nacht wird uns immer in Erinnerung bleiben – unglaublich, was wir beobachten durften in diesen vergangenen Stunden.

Highlight des Tages: die grossartige Corona

Diashow:

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