Red Dunes Lodge – der Wahnsinn der Milchstrasse

Wir haben sehr gut geschlafen und standen um kurz nach 5 Uhr auf. Meine Augen waren immer noch geschwollen von der Allergie, aber ich fühlte mich ganz okay. Es war ziemlich kühl am Morgen und wir zogen unsere Fleecejacken an. Die Akazienbäume sahen toll aus gegen den roten Morgenhimmel und der Mond stand mit seiner Sichel genau darüber. Ich machte ein paar Fotos von der Terrasse aus und danach fuhren wir drei Kilometer bis zum Wasserloch. Wir hatten gestern dafür um Erlaubnis gefragt und Cilas war damit einverstanden, solange wir auf den Fahrspuren blieben. Natürlich würden wir das tun; wir lehnen Off-road Fahren sowieso ab, da die Spuren in der Wüste sehr lange zu sehen sind. Es gab dort endlose Fotomotive und wie immer war die Zeit für alles viel zu kurz, bis die Sonne aufging. Gut, dass wir noch eine weitere Nacht in dieser schönen Lodge haben und morgen früh nochmals rausgehen können!

Das Licht war bereits 30 Minuten nach Sonnenaufgang zu harsch und wir entschieden uns, noch ein wenig die Vögel am Wasserloch zu beobachen. Es gab eine Gruppe von Scharlachwebern (Anaplectes rubriceps) und einige niedliche zitronengelbe Vögel. Als ich mich umdrehte, erblickte ich eine grosse Gruppe Springböcke (Antidorcas marsupialis), die von den Dünen Richtung Wasserloch kamen. Sie sahen uns nicht, da wir still standen und nicht sprachen und sie kamen sehr nah an uns heran. Wir entschlossen uns dann, zurück zu fahren und sie nicht länger von ihrem Frühstück abzuhalten. Sobald wir uns Richtung Auto bewegten, stoben sie laufen und springend Richtung Dünen davon – was für ein Anblick!

Wir fuhren langsam zurück zur Lodge und gingen zum Frühstück. Die Auswahl war gross mit Cerealien, Aufschnitt, Käse, Tomaten und Gurken, Joghurt, Kaffee und Tee. Wir bestellten aus der Küche Rührei mit Speck dazu und genossen ein ausgiebiges Frühstück. Danach arbeitete ich am Reisebericht und duschte in der Aussendusche, während Gerd versuchte, ein paar Vögel und die Senegal Seidenspinne (Nephila senegalensis) auf den Chip zu bannen. Ein guter Start in die Ferien!

Wir machten eine lange Pause auf der Terrasse und die beiden Erdmännchen, Toffie und Gertruida, kamen auf Besuch auf der Suche nach ein paar Streicheleinheiten. Das Männchen Toffie war total happy, wenn es gestreichelt wurde, aber das Weibchen Gertruida war leider etwas aggressiv. Gerd sass auf dem Boden und fotografierte, als das Weibchen zu ihm kam, auf seinen Schoss hüpfte und ihm in die Hand biss! Er hatte kein Essen in der Hand oder etwas anderes, dass für ein Erdmännchen interessant sein könnte. Aber es blutete nicht sehr stark und alle waren wieder glücklich, nachdem Gerd die Wunde desinfiziert hatte.

Wir assen eine Kleinigkeit zu Mittag und starteten gegen halb zwei Uhr den Wanderweg durch die Dünen, der mit rund zwei Stunden angegeben war. Es war ein schöner Spaziergang durch die Dünen, die hier von West nach Ost verlaufen und wir überstiegen mindestens fünf Dünenkämme während unserer Wanderung. Wir trafen auf interessante Blumen, wie die Kaktusfrucht, die die Buschmänner gegen Magenweh benutzen oder der schönen Nachtkerzenblüte und wir sahen viele Webervögel und sogar einen Gleitaar, der allerdings sofort wegflog, als er uns von weitem erspähte. Die Wanderung stellte sich als lang heraus und wir waren nach 3/4 der Zeit schon ziemlich erschöpft – nun, für uns ist es nicht leicht, in so einer Hitze in der Wüste zu wandern und es ist auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, wenn es zu warm ist – ich bin eher der nordische Typ 😉 Wir kamen schliesslich um kurz nach vier Uhr in der Lodge an, machte eine Pause und fuhren wieder los für das schöne Abendlicht. Das Licht am Abend ist hier allerdings nicht so intensiv wie das Morgenlicht und wir genossen die Zeit in der Natur, machten hin und wieder ein Foto und bewunderten den Ausblick über die Kalahari.

Wir fuhren nach Sonnenuntergang zurück zur Lodge und machten noch einige Fotos der attraktiven Akazienbäume gegen den tief rot gefärbten Himmel und ich bereitete die Kamera für die Sternspuraufnahmen vor. Cilas hatte uns freundlicherweise angeboten, die Lichter am Weg zu löschen, wenn wir nach dem Abendessen zurück sind, da es keine anderen Gäste auf unserer Seite hatte. Die Jungs Cilas, Johan und Obas sind wirklich sehr nett und zuvorkommend und obwohl die Lodge ziemlichen Luxus bietet, fühlen wir uns hier sehr wohl, weil die Betreuung durch die Drei sehr persönlich und nett ist und nicht so übertrieben wie anderswo. Das Abendessen war wieder sehr lecker und wurde diesmal als Tellergericht serviert. Wir hatten einen Amarula als Aperitif und als Vorspeise gab es eine Pastete aus Spinat, die mit Fetakäse und Tomate gefüllt war. Die Hauptspeise war ein leckeres Rindersteak mit Pfeffersauce, Kartoffeln, Bohnen und Süsskartoffeln und einem Joghurtkuchen als Nachspeise. Wir gingen kurz nach dem Essen zurück, um die Kamera für die Sternspuren zu starten und Gerd spielte mit dem Astrotrac und versuchte den Südpolarstern auszumachen. Die Milchstrasse sah einfach nur fantastisch aus und wir konnten einige Fotos machen, als die Lichter auf der anderen Seite gelöscht waren – wunderschön!

Nächte unter dem südlichen Sternenhimmel sind einfach nur toll!

Highlight des Tages: der Sonnenaufgang in den Dünen und die Milchstrasse

Vorschaufotos:

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