Ngorongoro Conservation Area

Der Wettergott meinte es gut mit uns und schickte uns ein sanftes Morgenlicht in den Krater. Die Konturen waren sehr schön sichtbar in dem weichen Morgenlicht und wir genossen diese fantastische Stimmung, die nur eine halbe Stunde anhielt bevor die Bewölkung wieder stark zunahm.

Wir frühstückten und trafen um 8 Uhr Steven für unsere ganztägige Kratertour. Ihm war es etwas kühl, doch wir genossen die angenehmenTemperaturen und brauchten auch keinen langärmeligen Pullover. Eigentlich sind nur maximal 6 Stunden im Krater erlaubt, aber ausser beim Eingangsgate wird das nirgends kontrolliert und so kosteten wir acht schöne Stunden in dieser einzigartigen Umgebung aus. Da es geregnet hatte, blühten viele schöne Pflanzen, aber es war die Hakenlilie, die herausstach und besonders bezaubernd war. Da sie auch oben auf dem Kraterrand blühen, konnten wir aussteigen und ein paar nette Aufnahmen machen.

Auf dem Weg in den Krater begegneten uns einige Maasai-Kinder, die Zebuherden in den Krater begleiteten. Die Maasai dürfen hier ihre Herden zum Trinken hinunterbringen – Ngorongoro ist kein Nationalpark, sondern eine Nature Conservation Area, wo circa 32000 Maasai leben. Allerdings sind die Dörfer nur bis zum Kraterrand erlaubt und nicht innerhalb des Kraters.

Auf der Fahrt nach unten sahen wir einen jugendlichen Augurbussard unweit der Piste im Baum – ein hübscher, noch etwas flusiger Bursche! Wir kamen unten an, Steven öffnete das Autodach und wir waren sogleich von Maasai umringt, die uns Ketten, Arm- und Halsreifen und Speere verkaufen wollten. Höflich, aber bestimmt lehnten wir ab und auch für Fotos wollten wir nicht zahlen. Nicht, weil wir dafür zahlen müssten, sondern weil wir uns dabei sehr unwohl fühlen – das ist einfach nicht unsere Sache – nirgendwo auf der Welt!

Wir fuhren langsam durch grosse Gnu- und Zebraherden und fanden dann auch schnell die Familie Simba: ein Löwe und seine drei Löwinnen lagen wie immer faul dösend im Gras. Ein einsames Zebra graste in circa 300 Meter Entfernung. Plötzlich kam Leben in die Bande: zwei Löwinnen standen auf und näherten sich langsam, aufmerksam beobachtend dem friedlichen Zebra. Simba setzte sich auch hin und beobachtete die Aktion seiner Damen wie in einem Theater. Die Löwinnen pirschten sich heran, mal schleichend, dann wieder kurze Zeit sitzend bis auf circa 100 Meter. Das Zebra hatte die Löwinnen jedoch bemerkt und starrte in deren Richtung. Langsam trabte es zu seiner Herde zurück und für dieses Mal blieben die Löwen hungrig zurück. Glück für mich, denn eine Jagdszene hätte ich nur ungern live miterlebt. Ich will immer nur glückliche Tiere sehen!

Auf der Weiterfahrt sahen wir die gewaltigen Ohrengeier im Baum und einen weiteren jungen Augurbussard, diesmal noch näher als am Morgen. Dann kam der grosse Regen, wir mussten das Dach schliessen und die Pisten wurden sehr matschig. Gerade jetzt trabten zwei Schwarze Nashörner im Galopp durch die Ebene. Wir fuhren etwas näher ran, aber sie waren zu weit entfernt und durch den Regen nur schlecht zu sehen. Aber immerhin, zwei grosse Nashörner – superschön!

Es regnete weiter und wir fuhren zur Ngoitokitok Springs Picnic Site, wo schon eine Bande von hungrigen Milanen auf die Lunchpakete der Touristen wartete. Wir waren von Elvira vorgewarnt worden und auch Steven sagte, wir sollten lieber im Auto essen. Ein anderer Tourist hatte nicht auf seinen Guide gehört und ass draussen – und wir konnten beobachten, zu welchen Flugmanövern Milane fähig sind, um an den Inhalt touristischer Lunchpakete zu gelangen…. Im Süsswassersee gab es einige Hippos und einige Webervögel sowie Perlhühner hofften auf ein paar Krümel der Touristen.

Wir beendeten unseren Lunch und fanden auf der Weiterfahrt unseren ersten Löffler, der in einer der grossen Pfützen spraddelte. Er flog weiter, doch kurze Zeit später entdeckten wir ihn in einem Bach auf der Suche nach Futter wieder und konnten ihn ausgiebig bewundern.

Die Tierwelt innerhalb des Kraters ist wirklich reichlich und wir erspähten eine weitere Gruppe Löwen (ein männlicher Löwe mit zwei Löwinnen), die natürlich dösten und nur hin und wieder den Kopf hoben, als sich eine weitere Löwin näherte. Gegenüber im Baum war wieder unser junger Augurbussard und in einem anderen Baum ein Schwarzbrust-Schlangenadler. Nach ausgiebiger Bewunderung fuhren wir zum Hippo-Pool, wo wir circa 40 Flusspferde mit Madenhackern und Mittelreihern sowie einer Gruppe von Nachtreihern vorfanden. Die Flusspferde bespritzten sich mit dem matschigen Wasser, gähnten und schoben sich durch den Pool, im Wasser schwammen zwei Pelikane und am Ufer schimpften die Waffenkiebitze laut vor sich hin. Hier war was los!

Paul hatte uns heisses Wasser, Kaffeepulver und Tee mitgegeben und ich mixte den Jungs ihre Heissgetränke.

Wir fuhren zurück ins Kraterinnere und Steven erspähte plötzlich einen Geparden. Tatsächlich, unser erster Gepard in nicht allzu weiter Entfernung, aber doch zu weit für ein Foto. Egal, durch das Fernglas konnten wir diese elegante Katze gut beobachten und fanden etwas später auf der anderen Seite der Piste einen weiteren Geparden im Gras. Der erste Gepard verschwand langsam Richtung Kratersee und wir entdeckten einen dritten Geparden! Wie schön – wir starrten gebannt durch unsere Ferngläser und bewunderten diese filigranen Katzen. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten – plötzlich hatte es auch noch zwei schwarze Nashörner! Uns gelangen ein paar Aufnahmen mit Konverter – nicht sehr gut, aber immerhin, wir sind glücklich.

Heute war eindeutig Cat Day – ein paar Kilometer weiter fanden wir eine Gruppe Löwen sehr nah an der Piste. Sie waren offensichtlich völlig vollgefressen – man konnte die dicken Bäuche deutlich sehen. Es war ein männlicher Löwe etwas abseits und eine Löwin mit drei fast erwachsenen jungen Löwen. Die Drei hatten noch Flaum am Nacken und ein ziemlich niedliches Gesicht – und eine vollgefressene Wampe. Eine der Drei schien etwas überfressen und würgte mehrmals lautstark. Die anderen wälzten sich von einer Seite auf die andere und boten dabei immer wieder niedliche Posen – so sehen die Löwen wirklich putzig aus, aber wirft man einen genaueren Blick auf die Pranken, dann kann man sich ihre andere Seite wieder sehr gut vorstellen. Ein paar Meter weiter lag ein weiterer männlicher Löwe nur circa 20 Meter vom Auto entfernt und gab eine wahre Show zum Besten: es wurde gegähnt, die Zähne gezeigt und die Mähne geschüttelt. Beeindruckend, diese Kraft und vor allem die langen Zähne.

Es wurde Zeit, den Krater zu verlassen und vollgepackt mit Eindrücken machten wir uns auf die matschige Auffahrt, die Steven natürlich ohne Probleme meisterte. Es war nun stark bewölkt und es gab kein schönes Abendlicht.
Wir assen zu Abend, gönnten uns Bier und Wein und luden ein letztes Mal unsere Batterien auf, bevor wir uns morgen auf den Weg in die Serengeti machen werden.

Highlight des Tages: Cat Day – die Löwen und die Geparden

Vorschaufotos:

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