Mesosaurus Camp – Saurier und Rausch der Köcherbäume

Heute morgen war es wirklich hart, kurz vor fünf Uhr aufzustehen nach dem verlorenen Finale und einer sehr kurzen Nacht. Aber wir standen trotzdem auf und fuhren hinaus nach Garas, wo wir ganz alleine den aufwachenden Tag geniessen konnten. Die Köcherbäume wachsen dort an den Seiten der Hügel und es war nicht so einfach, einen geeigneten Standpunkt für Vor-Sonnenaufgangsfotos zu finden. Es gelangen mir jedoch einige Aufnahmen und war fasziniert, als die Sonne dann aufging und die Köcherbäume in dem orange farbenen Licht geradezu zu glühen schienen. Es sind einfach so wundervolle Bäume!

Wir kehrten zum Hotel zurück und holten eine Stunde Schlaf nach, bevor wir zum Frühstück gingen. Es war ungewöhnlich, dass wir die einzigen Übernachtungsgäste waren und das Hotelpersonal doch das ganze Frühstücksprogramm aufbot: Müsli, frische Früchte, Aufschnitt, Käsebällchen, Joghurt, verschiedene Arten Brot, Kaffee, Tee und Eierspeisen konnten extra in der Küche bestellt werden. Wir nahmen ein Omelete mit Käse, Tomate und Schinken und ein Sunrise toast, das eigentlich eine Scheibe Toast mit einem Loch in der Mitte war, wo sich das Spiegelei befand – es sah eben aus wie eine Sonne 😉

Wir zahlten die Rechnung, dankten den Mädls nochmals für ihre freundliche Uterstützung und liessen ihnen ein grosszügiges Trinkgeld da – das haben sie sich wirklich verdient! Wir betankten den Hilux bevor wir nach Mesosaurus fuhren und fanden, dass er nicht sehr durstig war. Wir tankten 73 Liter Diesel und waren 650 km gefahren – nicht so schlecht! In Mesosaurus wurden wir wieder freundlich von Giel empfangen und wir konnten beide dem Klub der “Sportsfreunde, die ein Finale verloren” beitreten – sein Rugby Verein hatte auch gestern ein Endspiel verloren! Wir waren immer noch müde und schliefen noch ein Stündchen in unserem gemütlichen Chalet, bevor wir eine Kleinigkeit zu Mittag assen. Das waren eigentlich die Reste der Pizza von gestern, die uns die freundliche Lady in einer Box eingepackt hatte. Die Chalets auf Mesosaurus sind klein, aber gemütlich mit zwei Einzelbetten, einem Tisch, zwei Stühlen und einem Badezimmer. Es gibt weder Strom noch Handyempfang – zwei ruhige Tage lagen vor uns! Hendrik, Giel’s Sohn bereitet am Abend heisses Wasser für die Dusche zu und ist auch für das Abendessen zuständig, das in einer kleinen Lounge neben unserem Chalet zubereitet wird. Es gibt insgesamt vier Chalets und das Bush Camp einige Kilometer entfernt. Uns gefällt es hier sehr gut – es ist sehr persönlich, ruhig und Giel und Hendrik sind beide sehr nette und freundliche Leute.

Ich wachte auf und ging nach draussen, wo ich zu meiner grossen Überraschung einen Bergsteinschmätzer (Oenanthe monticola) auf meinem Lenkrad sitzend vorfand! Wir hatten die Fenster ein klein wenig offen gelassen, aber offensichtlich weit genug, damit der neugierige kleine Kerl reinschlüpfen konnte. Nun war er ziemlich beeindruckt davon, in einem Hilux zu sein und hat ungefähr 12 Haufen hinterlassen, die ich fand, nachdem ich ihn durch die hintere Tür nach draussen liess. Hendrik war gerade dabei, eins der Chalets zu säubern und wir gingen hinüber, um uns vorzustellen und unser Problem zu schildern. Er lachte und gab uns einen Lappen, mit dem wir das Autoinnere vom Vogelkot befreien konnten, während der kleine Kerl auf dem Dach sass und fröhlich vor sich hin trällerte!

Giel sagte, wir könnten den 4×4 track als Rundkurs selber fahren und so fuhren wir dann nach dem Mittagessen los, um die Gegend zu erkunden. Es ist einfach nur wundervoll hier! Es ist die Gegend, mit der höchsten Dichte an Köcherbäumen und das ist definitiv richtig – es gibt hier so viele attraktive Köcherbäume, dass wir eine Woche bleiben könnten! Ich habe noch im Ohr, dass einige Leute meinten, sie wüssten nicht, was sie drei Tage in Keetmannshoop machen wollten – nun, wir haben damit kein Problem und es ist eher zu kurz! Der 4×4 Trail war teilweise sehr steinig, aber unser guter Hilux (und ich) bewältigten den Track gut. Am Ende gab es ein sandiges Flussbett, das etwas schwierig zu passieren war, da die Wegspuren teilweise nicht mehr sichtbar waren. So fuhr ich einfach drauf los und hoffte darauf, den richtigen Weg zu treffen und ich hatte in der Tat Glück. Leider sind die besten Locations für Sonnenauf- und -untergang zu weit entfernt und ich möchte diesen Track wirklich nicht in der Dunkelheit befahren. Aber wir wollten ihn morgen Nachmittag nochmals abfahren mit etwas mehr Zeit.

Wir trafen Giel um halb vier Uhr und fuhren den kurzen Weg auf der anderen Seite der Strasse zu der Stelle, wo die Fossilien sind. Giel ist ein sehr netter und gut gelaunter Mann und er erklärte uns den Mesosaurus sogar auf Deutsch! Er, oder eigentlich sein Sohn Hendrik, fand die Fossilien durch Zufall, als er auf der Farm arbeitete und Hendrik während dessen mit den Steinen spielte. Giel öffnete einen der Steine und fand eine sehr gut erhaltene Fossilie vom Mesosaurus, die 270 Millionen Jahre alt war. Die Knochen, Rippen, Finger und sogar das Rückenmark waren noch deutlich sichtbar. In dieser Gegend der Farm gibt es noch zahlreiche Fossilien zu entdecken und Wissenschaftler aus Europa und Südafrika besuchen Giel regelmässig. Wir fuhren ein paar Kilometer weiter bis wir eine Stelle mit wunderschönen Köcherbäumen erreichten. Giel sagte, es würde rund 5000 Köcherbäume auf seiner Farm geben. Wir parkierten die Autos und Giel zeigte uns, wie man auf den braunen alten Steinen Musik machen kann und spielte “Bruder Jakob” sowie die südafrikanische Nationalhymne. Er verliess uns danach und wir begannen, Fotos der Köcherbäume im Abendlicht zu machen. Es gibt hier einfach endlose Möglichkeiten für schöne Fotos und wir wussten bereits jetzt, dass wir wieder hierher kommen würden, nicht zuletzt um Giel und seine Familie wieder zu treffen, die sehr freundliche und entgegenkommende Menschen sind. Sie freuen sich so sehr, wenn sie merken, dass man ihr Land genauso liebt wie sie.

Wir warteten bis es dunkel war und bereiteten die Kamera für Sternspurfotos vor. Wir liessen sie eine knappe Stunde laufen und fuhren zurück zum Chalet, wo Hendrik bereits mit dem Dinner auf uns wartete. Er hatte Kudu Würste und Schafkotelletes auf dem offenen Feuer gegrillt und dazu gab es Nudeln, Griechischen Salat und frische Brötchen. Dazu nahmen wir ein Glas Wein und genossen das Abendessen trotz der Kälte. Ja, es war wirklich richtig kalt, der Wind blies ziemlich stark und die Temperatur dazu war sicher deutlich unter 10 Grad! Hendrik fuhr bald darauf zum Haus zurück, da er heute auf das Baby aufpassen musste und wir wärmten uns noch ein wenig am Feuer. Ich war dann noch so tapfer und duschte bei der Kälte und wir gingen früh zu Bett. Nicht nur, weil wir wieder um 5 Uhr aufstehen wollten, sondern auch weil es im Bett so schön warm und kuschelig war!

Highlight des Tages: der Abend im Köcherbaumwald

Fotogalerie: Namibia 2012 – Köcherbaum Fotogalerie II

Vorschaufotos (21):

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