Lake Manyara Nationalpark

Heute hiess es 5.30 Uhr aufstehen, eine Tasse Kaffee und auf in den Park. Das Licht war nicht so toll, es war ziemlich wolkig und auch die Tiere machten sich zunächst etwas rar. Erst als wir Richtung Seeufer unterwegs waren, fanden wir dann plötzlich in einigen Metern Entfernung von der Piste vier Löwen in der Sonne dösend: ein männlicher Löwe mit drei Löwinnen. Unsere ersten richtig nahen Löwen!
Der Löwe fing an zu gähnen und Steven sagte, das wären Anzeichen dafür, dass sie sich bald bewegen würden. Und richtig: kaum drei Mal gegähnt, blies er zum Abmarsch, überquerte langsam und gemächlich vor uns die Piste und machte sich auf der anderen Seite ins Gebüsch. Zwei der drei Löwinnen folgten ihm und legten sich nicht weit entfernt von uns in den Schatten eines Busches.
Wir beobachteten sie eine Weile und fuhren dann weiter durch den Grundwasserwald, bis wir zu unserer Begeisterung in einem Baum einen Kampfadler mit seiner Beute, einer Ginsterkatze, fanden! Er sass in der Astgabel, seine Beute fest in den Fängen und schaute uns ebenso gross an wie wir ihn. Auch Steven war begeistert und wir waren überglücklich, dem grössten Adler Afrikas in nur 10 Meter Entfernung Aug-in-Aug gegenüber zu stehen! Er ist bis zu 86 cm hoch, hat gewaltige Fänge, ziemlich breite Schultern und einen ziemlich einschüchternen Blick. Als Dik-Dik möchte ich ihm nicht gegenüberstehen und Steven erzählte, dieser Adler hätte schon kleine Babies erbeutet, die Frauen unvorsichtigerweise unter einem Baum abgelegt hätten.
Plötzlich krachte in der Nähe ein Schuss und wir erschraken genauso wie unser Adler, der aufgeregt mit seiner Beute davon flog! Wir waren total entäuscht. Kurze Zeit später trafen wir auf ein Auto mit den Rangern, die erklärten, sie hätten einen Hund geschossen, der innerhalb des Parks war. Hunde können Krankheiten wie Hundestaupe oder Tollwut in den Park tragen und werden daher geschossen.

Wir schauten nochmal beim Hippo-Pool vorbei, wo ein paar Hippos in der Ferne an Land grasten und fuhren zur Campsite, wo uns Angelina und Paul bereits zum Frühstück erwarteten.

Danach nutzten wir die Zeit, um ein paar T-Shirts zu waschen, die Kamerabatterien aufzuladen – die Leiden der digitalen Fotografie – und wir duschten ausgiebig.

Nach einem Nickerchen und Lunch ging es wieder in den Park. Kleine Grüne Meerkatzen und Diademmeerkatzen spielten am Wegesrand und mehrere Horden Paviane tobten durch den Wald. Sie hatten Junge in allen Grössen und zogen laut schmatzend über eine kleine Lichtung. An einem Bach fanden wir mehrere kleine Graukopflieste, die geduldig auf einem Ast für uns posierten. Diese kleinen Kerle sind wirklich total putzig!

Am Hippo-Pool dösten die Flusspferde im Wasser – irgendwie beneidete ich sie: sie hatten es schön kühl; für uns war es heute ein sehr heisser Tag. Viele der eifrigen Mittelreiher hüpften auf den Rücken der Flusspferde und der Büffel auf der Suche nach Insekten und Parasiten. In der Ebene gab es eine Herde Zebra mit Nachwuchs und zwei Sattelstörche staksten in nicht allzu weiter Entfernung vom Auto.

Schliesslich erreichten wir wieder den Baum unseres Kampfadlers und zu unserer grossen Freude war er wieder daheim! Reste der Ginsterkatze lagen in einer Astgabel und er sass eine Etage höher satt und zufrieden im Baum. Diesmal störte kein Schuss und wir konnten ihn ausgiebig bewundern – mehr als eine “Wiedergutmachung” für heute morgen!

Es wurde spät und wir schauten zum Abschluss nochmals am Hippo-Pool vorbei, wo wir nun ganz allein waren. Die Flusspferde waren etwas munterer und würden wohl in kurzer Zeit an Land gehen. Es waren heute weniger Flamingos da als gestern und die meisten waren draussen auf dem See: wir konnten ein mehrere zehn Kilometer langgezogenens rosafarbenes Band entlang des Sees erkennen.
Ein schöner Tag ging zu Ende und im Camp erwartete uns Paul mit selbstgebackenen Brötchen und einer leckeren Nudelsosse; Angelina verschonte uns mit Westlife und legte stattdessen eine BBC produzierte DVD über die Serengeti ein, die uns einen schönen Einblick in das gab, was uns erwarten würde.

Highlight des Tages: der Kampfadler und die Graukopflieste

Fotogalerie: Lake Manyara National Park

Vorschaufotos:

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