Ein Traum: Sossusvlei mit Wasser

Der Wecker klingelte wieder um 5:30 Uhr und wir fuhren nach dem Frischmachen zum Eingangstor, wo bereits sechs Autos vor uns warteten. Pünktlich um 6:15 Uhr öffnete das Tor und zu unserer Überraschung benötigten alle Autos bis auf eins noch ein Permit und bogen zur Rezeption ab, während wir weiter bis zum zweiten Gate fahren konnten, wo wir unser Permit vorzeigten, registriert wurden und dann weiterfahren konnten.

Kurz nach der Einfahrt tauchte die Sonne die Dünen in der Ferne in ein wunderschönes rotes Licht – Sandra’s Fotografenherz blutete und wir fuhren tapfer weiter. Nach 21 km passierten wir die Flussdurchquerung und sahen, dass der Tsauchab nicht mehr lief. Die letzten fünf Kilometer 4×4 Strecke waren jedoch immer noch gesperrt, da der Untergrund sehr tief matschig war und das Wasser noch versickern musste. Auf der einen Seite waren wir enttäuscht, dass die Strecke nicht befahrbar war, aber auf der anderen Seite war es ein weiterer Grund, noch einmal wieder zu kommen! Man muss es eben nehmen, wie es kommt und das Beste daraus machen. Nicht zu vergessen, dass Wasser in der Vlei ein seltenes Ereignis ist!

Wir liessen den Trubel der Düne 45 links liegen und fuhren mit einigen weiteren Fotostopps die letzten 20 km bis zum 2×4 Parkplatz. Hier war Ende und auch der Shuttle fuhr nicht mehr. Das Revier lief noch und der Untergrund war tief und matschig, so dass ein Fahren unmöglich war. Wir frühstückten schnell eine Scheibe Brot und machten uns dann mit einigen Anderen zu Fuss auf den Weg zur Sossuvlei, denn es war einer der seltenen Momente, wo es Wasser in der Vlei gab. Schon der Anfang der Wanderung war interessant, denn der Tsauchab führte noch Wasser und die sonst viel befahrene 4×4 Strecke war nun wieder im ursprünglichen Zustand eines Flussbettes. Blumen blühten überall, was für uns ein völlig neuer Anblick war, den wir staunend beobachteten und bewunderten. Der Marsch über 5 km war anstrengend, aber gut machbar. Wir mussten einige Umwege laufen, denn teilweise waren ganze Flächen noch mit Wasser bedeckt! Wir waren noch nie mit schlammigen Schuhen in der Sossusvlei:-)Es war eine herrliche Erfahrung, diese Landschaft so zu durchwandern und als wir dann den ersten Blick auf die mit Wasser gefüllte Sossusvlei werfen konnten, gingen unsere Herzen völlig auf! Ein Anblick, den wir uns immer gewünscht hatten und vor dem wir nun atemlos und fasziniert standen. Die Sossusvlei war nun sogar so voll mit Wasser, dass die vorderen Picknickplätze unter Wasser standen. Das Revier muss hier noch ungefähr eine Höhe von 40 bis 50 cm erreicht haben, wie man an den Kanten des Flussufers sehen konnte.

Die kleinen Kapsperlinge der Sossusvlei waren natürlich auch sofort zur Stelle und bekamen von uns eine grosszügige Portion Sonnenblumenkerne, die sie zügig vertilgten. Wir blieben eine Weile, um zu fotografieren und diesen so seltenen und ungewöhnlichen Anblick zu geniessen. Leider war es nun schon 10 Uhr, das Licht sehr hart und somit nicht mehr schmeichelhaft für Fotos. Aber es zählte mehr die Erfahrung, die Sossusvlei mit Wasser zu sehen – immerhin ist die Namib eine der trockensten Wüsten der Welt. Allerdings ist es dieses Jahr schon das zweite Mal, dass es Wasser in der Vlei gab. Unwetter waren recht häufig und die Reviere liefen dementsprechend. Klimaveränderung oder Zufall? Wir wissen es nicht.

Wir wanderten zurück zum Parkplatz und konnten nun querfeld über und durch die Dünen laufen, da wir die markante Düne vom Parkplatz mit den Fussspuren immer im Blick hatten. Das kürzte den Weg erheblich ab und wir erreichten schnell das Flussufer. Wir waren darauf eingestellt, barfuss durch den Fluss zu waten, aber das Wasser war komplett versickert und liess nur tiefen Schlamm zurück. Wie schnell so etwas in der Wüste passiert – kaum vier Stunden später war das Wasser wie in einem Traum verschwunden!

Die Landschaft war trotzdem faszinierend und wir machten eine lange Rast unter einem schattigen Baum. Plötzlich bog ein junger Mann um den Baum, der uns doch sehr bekannt vorkam. Es war Gernot! Was für ein grosses Hallo und ein noch grösseres Hallo, als Ingrid uns fand. Wir wussten ja, dass wir zur selben Zeit hier sein würden, aber ein Treffen in der Wüste mit so vielen Pfaden war doch schon ein unglaublicher Zufall! So plauderten wir eine halbe Stunde angeregt und erzählten uns von unseren Regenerfahrungen bis wir uns für den Abend verabredeten und Gernot und Ingrid weiter Richtung Vlei wanderten, während wir noch ein paar Fotos vom gelben Burzeldorn (Tribulus terrestris) und interessanter Sandstrukturen im Flussbett machten und schliesslich wieder den 2×4 Parkplatz erreichten.

Nach einer kurzen Mittagspause fuhren wir um zwei Uhr die ganze Strecke zurück bis zum Desert Camp. Eine kurze Dusche und schon war es Zeit für das schöne Abendlicht, das die Berge um uns herum erst in ein herrliches Orange und dann in ein leuchtendes Rot tauchte. Wir fanden ein grosses Webervogelnest als idealen Vordergrund und später noch eine ausgesprochen attraktive Felsformation, die in der Sonne rot leuchtete. Was für ein gelungener Abschluss eines wundervollen Tages!

Unsere Webervögel warteten bereits auf ihre Sonnenblumenkerne, die wir gern mit einem Schälchen Wasser servierten. Was für ein Gedränge, aber wir lieben eben glücklige Vögel:-)Gerd liess sich erneut nicht entmutigen und startete einen neuen Versuch mit Holzkohle auf dem Braai. Diesmal klappte es einwandfrei und nach etwas mehr als einer Stunde lagen Kudu und Oryx grilliert auf unseren Tellern – geht doch!

Nach dem leckeren Abendessen fuhren wir zurück zur Sossusvlei Lodge, wo wir mit Gernot und Ingrid an der Bar verabredet waren. Wir verbrachten einen lustigen Abend und hatten viel Spass am Ende eines perfekten Tages.

Highlight des Tages: Sossusvlei mit Wasser

Fotos aus der Sossusvlei: Sossusvlei Fotogalerie Teil II

Vorschaufotos:

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