Die prächtige Nacht der Polarlichter

Wir waren fast perfekt ausgeruht und bereit für unseren bereits letzten Tag unserer Reise in Norwegen. Warum nur vergeht Zeit so schnell in den Ferien?

Die Wettervorhersage für die Nacht war vielversprechend und so machten wir nur einen kurzen 2-stündigen Ausflug gegen Mittag. Wir fuhren rund eine halbe Stunde zu dem kleinen Ort Tisnes, wo sich in einer Bucht schöne Eisplatten und Schneestrukturen angesammelt hatten. Einen Kilometer weiter kann man einen Spaziergang zu einem Schiffswrack machen, doch wir entschieden uns trotz des harten Mittagslichts, am Strand zu bleiben für ein paar Landschaftsaufnahmen. Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus, weil Gerd kurz nach unserer Ankunft beobachtete, wie ein grosser Schwarm von Seevögeln auf dem Strand in einiger Entfernung landete. Er nahm seine Kamera mit dem 300mm Objektiv und näherte sich langsam und vorsichtig dem Platz, wo sich die Vögel zur Nahrungssuche versammelt hatten. Es gelangen ihm einige wirklich gute Nah- sowie Flugaufnahmen, als der gesamte Schwarm nach einer guten halben Stunde wieder davon flog. Wir fanden dann später heraus, dass wir Meerstrandläufer fotografiert hatten, die hier an der norwegischen Küste zu den heimischen Brutvögeln zählen. Was für eine wunderschöne und unverhoffte Begegnung!

Die Vorhersagen für Wetter und Polarlicht waren blendend für die kommende Nacht und so fuhren wir frühzeitig in die Gegend um den See Nakkevatnet. Wir hielten erst im Tal an und warteten darauf, dass der Himmel aufklaren würde. Der Himmel öffnete sich erst nach über zwei Stunden, aber das langatmige Warten hatte sich gelohnt, denn wir wurden mit einem enormen Ausbruch an Polarlichtern belohnt. Sie überzogen den gesamten Himmel und formierten sich zu einem perfekten Bogen. Was für ein Himmelsspektakel! Michael und ich kämpften uns erneut durch den Tiefschnee weiter in die Ebene und konnten schöne Fotos mit einem perfekten Vordergrund schiessen. Es war einfach nur schön und wir waren alle schon jetzt sehr glücklich – und der Abend hatte gerade erst begonnen!

Angesichts dieses Himmelsschauspiels konnten wir einfach nicht aufhören zu fotografieren, doch wir fuhren dann weiter bis zum See. Ich war darüber sehr glücklich, da wir ja unsere Fotos von dieser Location vor zwei Tagen allesamt versemmelt hatten und ich ja auf einen Wiederbesuch gehofft hatte. Was soll ich sagen, aber nach dieser Nacht war ich fast versucht, alle bisherigen Fotos zu löschen, denn wir wurden von einem wahren Feuerwerk an Polarlichtern verwöhnt, das über drei Stunden andauerte. Mir war eigentlich rundum warm, nur meine Füsse wurden irgendwann eiskalt, aber ich spürte es einfach nicht mehr – der Film, der sich über und vor mir abspielte war einfach zu faszinierend, so dass ich alles um mich herum vergass!

Michael und ich wechselten den Aufnahmeort, an dem wir einen kleinen Bach in die Bildkomposition einschliessen konnten und einen freien Blick auf einen Berg hatten, der fast wie ein Vulkan mit einem perfekten Vulkankegel aussah. Was für eine wunderschöne und sagenhaft traumhafte Kulisse – und wir waren beide ganz allein in der Ruhe und Stille dieses Ortes, da alle unsere anderen Mitreisenden in den Bussen waren, um sich aufzuwärmen oder sogar zu schlafen! Über unseren Köpfen tobte ein Sturm von Polarlichtern, die über den Himmel tanzten und permanent in Intensität und Farbe wechselten – es war einfach nur grossartig und atemberaubend!

Wir fuhren schliesslich gegen 2 Uhr morgens weiter und hielten an einer Stelle an, wo es schneebedeckte Tannen gab, über denen Nordlichter tanzten. Die Location war okay, aber nicht perfekt für eine ansprechende Bildkomposition, da die Tannen zu hoch auf einem Hügel waren und ein sauberer Bildaufbau ohne Schwenken der Kamera – und der damit verbundenen stürzenden Linien – nicht möglich war. Es war trotzdem ein schöner Anblick fürs Auge und ein vergnügsamer Stop!

Wir fuhren weiter und hielten ganz plötzlich an, als wir ein enorm starkes Polarlicht am Himmel sahen. Wir hatten Glück und das Polarlicht leuchtete über schönen Bergformen und einer klaren Ebene vor uns. Dieses Polarlicht war sicherlich das stärkste Polarlicht, das wir auf dieser Reise gesehen haben; es war fast so hell wie Tageslicht und tanzte über den gesamten Himmel. Wir sahen sogar mehrere Koronen über uns!

Wir waren alle geradezu erstarrt und überwältigt von diesem Schauspiel und es war nur noch das Klicken der Kameraverschlüsse zu hören. Fantastisch, wunderbar – es gibt einfach keine Worte, um dieses Feuerwerk zu beschreiben!

Letztendlich verblasste das Polarlicht und wir fuhren glücklich und zufrieden zurück nach Tromsø, wo wir gegen halb fünf Uhr morgens ankamen. Wir waren beide zu aufgekratzt, um direkt schlafen zu gehen und so verbrachte ich noch einige Zeit im Internet während Gerd ein paar Sachen für unsere Abreise zusammen räumte.

Was für eine Nacht!

Highlight des Tages: die Polarlichter am See Nakkevatnet

Fotogalerien: Die Magie der Polarlichter, Teil V
und
Die Magie der Polarlichter, Teil VI

Vorschaufotos:

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