Reisebericht: Antarktis – Südpolarmeer 2007

Schön, dass Ihr den Weg zu unserem Reisebericht aus dem Südpolarmeer 2007 gefunden habt. Hinter uns liegen drei wunderschöne Wochen in einer der rauhesten Gegenden der Welt. Wir erlebten Stürme, ein oft aufgewühltes Meer, wunderbare Seevögel, die faszinierenden Pinguine und eine einmalige Landschaft.

Die Reise wurde durchgeführt von Quarks Expeditions auf der M/V Orlova, die etwa 100 Passagieren Platz bietet. So konnten die Landgänge auf ein mögliches Maximum ausgedehnt werden, da in dem Schutzgebiet nie mehr als 100 Menschen gleichzeitig an einer Stelle landen dürfen.

Während unserer Reise vom 13.01.2007 bis zum 04.02.2007 besuchten wir die folgenden Gebiete:

– West Point Island – Falkland Islands

– Stanley, Gypsy Cove – Falkland Islands

– Südgeorgien

– Südshetlandinseln

– Südorkneyinseln

– Antarktische Halbinsel

Falls die Fotos Lust auf mehr machen, besuchen Sie doch unsere Homepage SA*GA Photography, wo Sie in der Farbwelt mehrere Galerien finden: Südpolarmeer Fotogalerien and Südgeorgien Fotogalerien.

Nachdem wir ein Jahr später die Falklandinseln ausführlich bereist haben, gibt es in der Farbwelt eine eigene Galerie: Falkland Islands Galerien

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen des Reiseberichts, der hoffentlich ein wenig Sehnsucht nach dem ewigen Eis und seinen wunderbaren Bewohnern in Ihnen wecken wird.

Sandra Schänzer & Gerhard Schöning
SA*GA Photography

Nach 16 fantastischen Tagen auf der mystischen Osterinsel erreichten wir nach zwei Übernachtungen in Santiago de Chile am 13.01.2007 Ushuaia in Argentinien. Feuerland! Tierra del Fuego – das versprach Einiges.

Wir kamen am Flughafen an, die Passkontrolle dauerte etwas und dann erreichten wir nach kurzer Fahrt unser Hotel für eine Nacht, das Albatros Hotel. Nach dem Check-In machten wir uns auf Entdeckungsreise durch die südlichste Stadt der Welt. Diese machte auf uns einen eher verschlafenen Eindruck – was aber eher daran lag, dass unser erster Stadtbummel während der argentinischen mittäglichen Siesta stattfand.
Was für ein Unterschied um 20 Uhr Abends! Autokarawanen quälten sich durch die Calle Martín, Hilux jeden Alters, Chevrolets, Buicks, Fiats, lärmende Touristen, telefonierende Einheimische und über allem der Geruch gebratenen Fleisches – Asado. Bienvenido a Argentina!

Wie die anderen Touristen auch zog es uns in die Souvenirläden, wo es allerlei Feuerland und Antarktis Kitsch zu kaufen gab: Pinguine aus Lapiszuli, Glas, Keramik, Plüsch, T-Shirts, Kalender, Bücher, Schlüsselanhänger – kurzum alles, was das Touristenherz begehrt. Leider pflegt der Argentinier spät zu essen und da wir ziemich hungrig waren, mussten wir anstatt Asado mit Fisch vorlieb nehmen. Die Asado-Restaurants beginnen relativ spät mit dem Vorheizen des Holzkohlegrills und dementsprächend spät wurde es.

Aber wir hatten ja noch zwei Tage!

Highlight des Tages: die argentinische Ruhe und der Trubel danach

Leider mussten wir heute Morgen das Hotel wechseln, da unser Hotel nicht für zwei Nächte frei war. Wir packten also unsere Sachen und nahmen ein Taxi zum Hotel Los Nires, das am Stadtrand lag. Wir konnten nach kurzer Wartezeit unser Zimmer beziehen und entschlossen uns dann dazu, mit dem Zug ans Ende der Welt zu fahren – der El Tren del Fin de Mundo. Die 7 km lange Strecke, ehemals 23 km lang und von Sträflingen gebaut, wurde wieder aufgebaut und führt durch ein malerisches Tal des Rio Pipo; vorbei an den traurigen, aber doch faszinierenden Baumstümpfen derjenigen Bäume, die sowohl für die Bahnschwellen als auch für den Häuserbau Anfang des 20. Jahrhunderts des expandierenden Ushuaias benötigt wurden. Eine fast gespenstische Szenerie vor den malerischen Bergen der Torre Martial. Wir fuhren erster Klasse und hatten ein gemütliches Abteil mit Getränk und Kuchen und so wurde die etwa 35-minütige Fahrt nicht langweilig. Am Ende der Strecke gab es noch einen Rest recht verwunschen wirkenden sub-antarktischen Regenwaldes – Schade, dass alles vom Menschen abgeholzt werden musste!

Am Abend gelang es uns dann tatsächlich, ein leckeres Asado zu erkämpfen – was für ein Glück!

Highlight des Tages: die Zugfahrt ans Ende der Welt

Heute statteten wir dem Gefängnis und dem darin integrierten Schifffahrtsmuseum einen Besuch ab. Die Gefängnisgänge waren in einem Teil des Gebäudekomplexes restauriert und mit viel Geschichte ausgestattet worden, aber es gab auch noch Gänge in ursprünglichem Zustand. Wirklich Mitleid mit den Gefangenen, die unter miserablen und kalten Bedingungen hier hausten, kam aber nicht auf – hier sassen nur die ganz üblen Gesellen aus Buenos Aires ein: Mörder, Diebe, Betrüger. Wir machten noch unsere letzten Einkäufe und bereiteten uns dann auf den grossen Tag der Einschiffung vor.

Das Abenteuer Antarktis konnte beginnen!

Highlight des Tages: unser vorerst letztes Asado

Wir liessen uns am Morgen Zeit und frühstückten ausgiebig bevor wir uns zum Check-Out fertig machten. Ein Mitarbeiter von Quarks erwartete uns bereits an der Rezeption und unser Gepäck wurde in den wartenden Bus verladen.

Es gab zunächst einen für uns etwas stressigen Ausflug in den Tierra del Fuego Nationalpark. Das Wetter war nicht so toll und das Highlight war David, der Pflanzenliebhaber, der den Bus anhielt, um eine seltene Pflanze auszurupfen, um sie dann den staunenden Mitfahrern zu präsentieren. Der einheimische Guide war nicht so begeistert, aber wir lernten David im Laufe der Reise nach dieser etwas übereifrigen Aktion als netten, besonnenen und naturbegeisterten Briten kennen.

Auf der Isla Redonda gab es ein winziges ehemaliges britisches Postamt, wo auch wir uns geduldig in die Schlange vor dem Schalter einreihten, um einen Stempel und Aufkleber in unseren Pass zu bekommen sowie um ein paar Postkarten nach Hause zu schicken.
Es gab eine Mittagsfütterung in einem typischen Touristenlokal – es regnete immer noch und wir waren froh, als diese Veranstaltung am Vormittag vorbei war. Das müssen wir noch mal individuell nachholen – solche organisierten Bustouren sind nicht unser Ding!

Endlich waren wir zurück in Ushuaia und nach einer Sicherheitskontrolle inklusive Röntgen begann endlich die Einschiffung auf der M/V Orlova. Es war nicht wie auf dem Traumschiff und es gab auch keine Béatrice, aber wir wurden von der Crew nett empfangen und zu unserer Kabine gebracht. Unsere Kabine #304 auf dem Unterdeck erwies sich als fast schon geräumig und gemütlich mit einem sauberen Bad. Die Toilette sollte auf der ganzen Reise nicht verstopfen. Ausserdem sollte es sich herausstellen, dass bei hohem Wellengang die Kabinen weit unten wesentlich weniger Übelkeit verursachen als die Kabinen, die hoch oben über der Wasserlinie liegen!

Noch während des Abendessens legte die Lyubov Orlova ab und wir sahen Ushuaia in den Regenwolken verschwinden. Frans, der Bordfotograf, fotografiert uns für den Reisefilm, als wir auf die Bucht von Ushuaia schauten während die M/V Orlova langsam Ushuaia verliess.

Nach circa 3 Stunden durch den schönen Beaglekanal – es war immer noch hell – erreichten wir den Eingang zur berüchtigten Drake Passage. Der Seegang war jedoch nur mässig und wir verbrachten eine einigermassen erholsame Nacht.

Highlight des Tages: das Auslaufen aus Ushuaia im schönsten Licht

Vorschaufotos Seevögel:

Nach zwei Tagen auf See erreichten wir die Falklandinseln. Der Wettergott meinte es nicht gut mit uns und schickte uns Sturm der Stärke 7. Ich hatte eh schon etwas Angst gehabt, aber ich wurde nicht seekrank und habe es auch sonst gut vertragen. Wir sind sogar auf die Brücke und haben uns das Geschaukel und die hereinbrechenden Wellen von oben angesehen. Wir nahmen am Anfang Pillen gegen Seekrankheit, doch nach einer Weile konnten wir gut einschätzen, ob wir wirklich welche brauchten. Letztendlich haben wir nur noch Pillen bei sehr schweren Seegang genommen – im Gegensatz zu vielen unseren Mitreisenden, die permanent ein Pflaster hinter dem Ohr kleben hatten.

In den etwas ruhigeren Zeiten verbrachten wir Zeit an Deck, um die Seevögel zu beobachten. Das stachen vor allem die Albatrosse heraus, die ihre Flug- und Segelkünste ohne Flügelschläge zeigten. Doch auch diverse Sturmvogelarten waren reichlich vertreten und zeigten kühne Manöver.

Tagsüber gab es Briefings durch die Crew, deren Chef Shayne war sowie Vorträge zu den Tieren, die wir besuchen würden und es war auch ein Geologe an Board, der über die erdgeschichtliche Entstehung berichtete und einige Steine als Anschauungsunterricht dabei hatte. Weiterhin waren ein Ornithologe und ein Fachmann für Meeressäuger, Jamie, an Board, die ebenfalls Diavorträge mit vielen Informationen hielten. Mitunter können die Vorträge etwas ermüdend sein, aber sie verkürzen durchaus willkommen die Reisezeit auf See.

Dann war da noch Philip, der deutsche Chefsteward, der uns während der Mahlzeiten mit Wein, Essen und Fussballergebnissen verwöhnte.
Wir schlossen einige Bekanntschaften, allen voran mit David aus Grossbritannien und Margaret und Mike aus den USA. Wir verbrachten einige nette Abende mit einem weiteren David, Arzt aus England, Tommy aus Hongkong sowie einem holländischen Paar. Eine schön gemischte Truppe und es gab wenige, die aus der Reihe tanzten. Wenn man von den ewig fotografierenden Chinesen absieht, die jede Mahlzeit fotografisch dokumentierten und auch sonst eher ihr eigenes Ding durchzogen – oft zum Ärger der Mitreisenden.

Highlights der beiden Tage: die Seevögel und die hohen Wellen

Die Fotogalerie: Lebensraum Meer

Nach einer weiteren sehr stürmischen, schlaflosen Nacht erreichten wir endlich das Gebiet der Falklandinseln.
Die Orlova ankerte vor New Island, eine der westlichen Inseln. Das Wetter war nach wie vor sehr stürmisch und der Wind wehte sehr ungünstig für unsere erste Anlandung. Doch nach einer halben Stunde verbesserte sich die Lage leicht und Shayne wollte eine Anlandung wagen, nachdem seine Crew in den Schlauchbooten die Lage abgeschätzt hatte. Also ging es ab in die Gummistiefel und wasserdichte Hosen, anschliessend durch das Desinfektionsbecken und unter Hilfe zahlreicher Hände in das schwankende Zodiac. Nach kurzer, etwas schwappiger Fahrt erreichten wir leicht nass den Strand, wo zwei Karakaras einen gestrandeten Minensucher belagerten. Ein kurzer Spaziergang durch das Grasland führte uns zur Teufelsnase, ein idealer Start- und Landeplatz für die dort brütenden Schwarzbrauenalbatrosse. Diese schönen grossen Vögel hatten Küken in verschiedenen Wachstumsstadien – kleine, süsse, zauselige und sehr neugierige Kerlchen, die von den Eltern gefüttert und gepflegt wurden. Zudem gab es eine kleine Kolonie der schönen Blauaugenscharben mit ihren herrlich blauen Augen. Auch sie hatten Küken und wir konnten beobachten, wie die Kleinen ihren Schnabel tief in den Schlund der Eltern steckten, die die halbverdaute Nahrung hochwürgten – die Eltern waren von dieser Prozedur offensichtlich nicht sehr angetan!

Ein weiteres Highlight war die relativ grosse Kolonie der pfiffigen Felsenpinguine mit ihrer Punk Frisur. Putzige kleine Kerle, die ein grosses Geschick entwickelten, die Felsen hinauf und hinunter zu hüpfen. Sie hatten ebenfalls Bruterfolg vorzuweisen – kleine, wohlgenährte braune Flauschbällchen, die uns neugierig beäugten. Alles in allem ein grossartiger Beginn, der nach knapp 2,5 Stunden leider viel zu schnell vorbei war.

Zurück an Bord gab es Mittagessen und dann war es schon Zeit, sich für die zweite Anlandung in Westpoint Island bereit zu machen. Doch zu unserer grossen Enttäuschung war der Wind und damit die Dünung zu stark und eine Anlandung zu gefährlich. So machte sich die Orlova über Nacht auf den direkten Weg nach Stanley, der Hauptstadt der Falklandinseln, die im östlichen Teil des Archipels liegt.
Stanley hat nur 2500 Einwohner, davon 1500 britische Soldaten und mitunter für kurze Zeit bis zu 3000 Touristen der Ozeanriesen, die dem Ort für etwa vier Stunden einen Besuch abstatten und die Souvenirläden, Pubs und Restaurants fluten. Während der Fahrt nach Stanley wurde der Sturm erneut stärker und in Stanley wehte er dazu noch stark ablandig, so dass unsere Orlova nur mit viel Mühe und unter Hilfe der Hafenschlepper während über 2 Stunden Zentimeter für Zentimeter anlegen konnte!

Nachdem das Wunder vollbracht war, ging es mit dem Bus zur Gypsy Cove – einem wunderbaren Ort mit brütenden Magellan-Pinguinen, Kormoranen und Falklandkarakaras. Letztere sahen wir nur von Weitem, doch die Pinguine schauten uns aus ihren Erdlöchern an und wirkten dabei ziemlich neugierig verspielt. Leider hatten wir nur eine Stunde Zeit und eilten Jamie mit wehenden Fahnen hinterher. Es war viel zu kurz, um alles aufzunehmen, sowohl Tiere als auch Natur, und so dackelten wir ziemlich frustriert zurück zum Bus und zurück nach Stanley. Hätten wir doch nur ein Taxi genommen und so individuell mehr Zeit gehabt – das müssen wir irgendwann nachholen! Wir verwirklichten diesen Traum ein Jahr später und verbrachten 2008 drei Wochen auf den Falklandinseln!

In Stanley kauften wir als Souvenir die schöne Flagge der Falklandinseln mit dem niedlichen Schaf, einige Briefmarken als Sonderausgaben der britischen Post sowie Falkland Münzen. Dann war es an der Zeit, in einem Pub bei englischem Fussball zu entspannen bevor wir gegen 16 Uhr auf das Schiff zurückkehrten.

Kaum eine Stunde später legten wir ab und machten uns auf die zwei Seetage dauernde Reise nach Südgeorgien.

Highlight des Tages: New Island mit den Schwarzbrauenalbatrossen und den Felsenpinguinen

Die Fotogalerie zu den Falkland Islands beinhaltet grösstenteils Fotografien, die während unserer Reise 2008 – ein Jahr später – entstanden sind: Falkland Islands Galerie
Lediglich New Island besuchten wir während unserer zweiten Reise nicht.

Vorschaufotos:

Die zwei Tage auf See waren recht lang, zudem der Seegang immer noch ziemlich heftig war. Wir hielten uns aber trotzdem recht häufig an Deck auf, um die eleganten Seevögel zu bewundern.

Die Tage wurden uns verkürzt durch die Vorträge, das leckere Essen und dem Abenteuer, Papa über Satellitentelefon zum Geburtstag zu gratulieren. Nach einigen Fehlversuchen und einer etwas schwerfälligen, aber netten Konversation mit dem russischen Nachrichtenoffizier gelang die Verbindung und ich gratulierte meinem Papa vom Südatlantik aus zum Geburtstag. Anschliessend stiessen wir auf ihn an!

So gingen die zwei Tage dahin und wir waren froh, als wir endlich in der Ferne zwei dunkle Punkte auftauchen sahen – Shag Rocks voraus!

Welcome to South Georgia!

Highlights der Tage: wieder die fabelhaften Seevögel

Die See hatte sich noch nicht ganz beruhigt und unser erster Zodiac-Ausflug in der Elsehul Bay war sehr schwappig und schon bald waren wir alle nass – gut, dass wir unsere wasserdichten Hosen und Jacken trugen! In der Bay erhaschten wir dann die ersten Blicke auf Königspinguine, Scheidenschnäbel, junge und ältere Pelzrobben sowie auf den South Georgia Kormoran. Da war die nasse Überfahrt sofort vergessen! Wir fuhren mit dem Zodiac langsam wie in einem Kinofilm an den Pinguinen vorbei und waren nach etwas mehr als einer Stunde wieder zurück an Bord.

Während des Mittagessens und Mittagsruhe fuhren wir unser zweites Ziel für den Nachmittag an: Right Whale Bay. Wir landeten mit dem Zodiac an einem Sandstrand, wo sich bereits unzählige Robben und Königspinguine tummelten. Auf der linken Seite gab es einen malerischen Wasserfall, der einen kleinen See bildete, in dem sich die Pinguine die Füsse kühlten. Es waren einfach nur unglaublich viele Pinguine, die fröhlich ins Wasser zum Fischen gingen, schwammen, herumwanderten oder einfach nur uns Besucher neugierig beäugten. Einige von ihnen balancierten Eier auf den Füssen – tapfere Väter, die ihre Küken behüteten. Leider waren wir ungefähr eine Woche zu früh, um die geschlüpften Küken zu sehen! Zwischen den erwachsenen Pinguinen tobten die kleinen, braunen, dicken Einjährigen – ein so süsser Anblick!

Die kleinen Pelzrobben waren aber auch sehr niedlich und erprobten ihre Autorität an den Besuchern. Gegen Ende sahen wir sogar noch einen verirrten Eselspinguin – der Erste, aber er war so einsam!

Was für ein grossartiger Tag, den wir bei einem leckeren Essen und Wein ausklingen liessen.

Highlight des Tages: die quirligen Königspinguine

Die Fotogalerie: Right Whale Bay

Vorschaufotos:

Das Wetter hatte sich endlich beruhigt, es war sonnig und die See geradezu glatt! Es hiess früh aufstehen und um 7 Uhr morgens landeten wir am Strand der Salisbury Plain, einem absoluten Highlight dieser Reise. Hier brüten 10.000de Königspinguine und man sieht, wie sich die Kolonien endlos den Strand hochziehen – ein Meer aus schwarz-weiss-gelb, fantastisch! Das Ganze wurde untermalt von einer imposanten Geräuschkulisse der trompetenden Pinguinen: Kleine riefen nach ihren Eltern und die Ankömmlinge riefen nach ihren Partnern – ein tolles Konzert! Wir wanderten durch die Kolonie, knieten vor den Pinguinen, die neugierig näher kamen und für uns posierten. Die Geräusche und die schiere Masse der Tiere vor dem beeindruckenden Panorama der Gletscher waren schlicht überwältigend. Einige Pinguine befanden sich gerade im Federkleidwechsel, was für sie sehr stressig ist und wir machten einen grossen Bogen um die armen Kerle, um sie nicht zu stören.
Es gab auch eine Menge Einjährige, die umher tollten oder nach Nahrung kreischten. Wir hatten drei Stunden Zeit, die jedoch im Nu verflogen waren und wir zurück aufs Schiff mussten.

Ein schnelles Frühstück und schon stand die zweite Anlandung des Tages auf Prion Island an. Die Überfahrt mit dem Zodiac war ruhig, die Sonne schien und die Landschaft erstrahlte in einer unglaublichen Klarheit. Am Strand erwarteten uns Eselspinguine und Pelzrobben, doch die eigentliche Attraktion sind die dort brütenden Wanderalbatrosse. Ein kurzer Aufstieg durch matschigen Untergrund auf einen Hügel und da waren sie: majestätisch sassen diese sehr grossen und sehr hübschen Vögel auf ihren Nestern oder führten Balztänze auf. Ein schöner, kleiner Ausflug, bei dem wir auch zwei Mal den einzigen Singvogel Südgeorgiens zu Gesicht bekamen: den Pipit.

Aus dem Tussockgras grüssten und grunzten die Pelzrobben und einige stellten sich uns mutig in den Weg. Noch ein paar Blicke auf die Eselspinguine und es ging zurück an Bord.

Nach dem Mittagessen fuhr die Orlova an der grossartigen Kulisse Südgeorgiens vorbei: riesige breite Gletscher blähten sich die steilen Berge bis ans Meer herab und die Berge stiegen steil von Meereshöhe auf etwa 2000 Meter heran – eine Wahnsinns-Kulisse!
Am Nachmittag erreichten wir Fortuna Bay, wo wir wieder über drei Stunden Zeit hatten. Am Strand lagen einige grunzende, schnaubende und furzende See-Elefanten – gemischt mit Pelzrobben und den Königspinguinen. Mit zwei der Königspinguine freundete ich mich an und robbte mit meinem 14mm Objektiv langsam und nach und nach bis auf einen halben Meter an sie heran – da stellte sich mir schon die Frage: wer beobachtet hier wen? Ein tolles Erlebnis!
Plötzlich bog eine ganze Bande Königspinguinen um einen Felsblock und marschierte auf mich und meine zwei anderen Freunde zu. Eins, Zwei, Drei – im Gleichschritt mit ausgebreiteten Flügelchen! Bei den beiden anderen Kollegen angekommen, wurde ich neugierig beäugt, bis sie dann um mich herum zum Wasser marschierten. Was sind das nur für putzige kleine Kerle! Wir fanden dann noch einen sehr geduldigen Kormoran auf einem ufernahen Felsen und wanderten schliesslich am Strand entlang durch die Pinguine, Pelzrobben und See-Elefanten.

Ein grossartiger Tag ging zu Ende, den wir bei einem Glas Weisswein und leckerem Abendessen beschlossen.

Highlight des Tages: einfach alles – wir können kein Erlebnis herauspicken!

Die Fotogalerien: Salisbury PlainFortuna Bay

Vorschaufotos:

Nach einer ruhigen Nacht hiess es um 5.30 Uhr aufstehen und die Zodiacs brachten uns an den Strand von St. Andrews Bay. War die Salisbury Plain schon beeindruckend, so wurde sie von diesem Ort nochmals übertroffen! Hier wurden wir von 100.000en Pinguinen und jeder Menge See-Elefanten sowie Pelzrobben erwartet. Am Ende des Strandes gab es einen Fluss, deren Ufer von den Pinguinen gesäumt wurden – dicht an dicht mit viel Lärm standen sie dort! Einige balancierten Eier mit Nachwuchs auf ihren kleinen Füssen; zwischen ihnen tobten die Scheidenschnäbel auf der Suche nach Nahrung, die in diesem Fall Pinguin-Kot hiess, und über ihren Köpfen kreisten Skuas und Riesensturmvögel. Die Scheidenschnäbel stossen die Pinguine mit ihrem Schnabel am Po an, um so Kot zu provozieren – den sie dann dankbar verzehren! Es gibt sicherlich schönere Ernährungsgewohnheiten, aber der Vogel an sich ist ein Hübscher!

Eigentlich kann man diesen Ort gar nicht beschreiben – es ist überwältigend und unglaublich! Fotografie wirkte fast ablenkend und störend und wir machten auch nur wenige Fotos. Die Tiere zu beobachten machte einfach viel mehr Spass und man konnte so viele schöne individuelle Eigenarten an ihnen erkennen.

An einer kleinen Lagune tummelten sich die einjährigen Pummelchen und rannten aufgeregt umher; ein Stück weiter lag eine Horde rotzender und schnaubender See-Elefanten. Mit ihnen kann ich mich nicht wirklich anfreunden – neben ihrem schlechten Benehmen stinken sie auch noch fürchterlich! Schon verging die Zeit wieder wie im Flug und es ging in ruhiger See zurück auf die Orlova.

Den Nachmittag in Grytviken – einer verlassenen Walfangstation – kann ich kurz und knapp zusammenfassen: traurig und abscheulich! An diesem Ort zu sein, wo 54.100 Wale und unzählige Robben fast bis zum Aussterben getötet und verarbeitet wurden, war nur widerlich und deprimierend. Es wurde uns vor Augen geführt, wozu der Mensch fähig ist, wenn es um seinen Profit geht. Nicht sehr vorteilhaft…

Am Besten war noch der Besuch am Grab des grossen Sir Ernest Shackelton, wo Alex – unser Barkeeper – uns traditionsgemäss mit einem Glas Rum erwartete und wir einen gemeinsame Toast auf den “Boss” aussprachen. Nach Alex’ Ansprache tranken wir einen Schluck und vergossen den Rest auf Shackelton’s Grab und einen weiteren Teil auf das Grab von Thorvald Admundson, dem Bruder von Roald.

Am Ort haben uns eigentlich am meisten die Reste der Skisprungschanze aus Holz fasziniert, die die Norweger hoch über dem Ort gebaut hatten. Einige Reste waren noch zu erkennen und ich liess es mir nicht nehmen, mich von Gerd in typischer Simon Ammann Position beim Abfahren fotografieren zu lassen!

Wir beobachteten auf dem Weg zurück noch einige emsige Antarktisseeschwalben, die auf der Suche nach Nahrung kühne Flugmanöver durchführten, bevor wir den Landungssteg beim “Ort” erreichten, wo wir auf das Zodiac zurück auf die Orlova warteten.

Am Steg befinden sich die aktuellen Wohn- und Diensträume der Wissenschaftler, ein kleines Museum sowie einige Plastikiglus, die als Schutzräume bei schwerem Sturm dienen.

Highlight des Tages: die Königspinguine von St. Andrews Bay, die Sprungschanze in Grytviken und die Antarktisseeschwalben

Die Fotogalerien: St. Andrews BayGrytviken

Vorschaufotos:

Während der Nacht steuerte unser russischer Kapitän die M/V Orlova nach Gold Harbour.

Über der Bay thront der gewaltige Bertrabgletscher – einmal mehr eine grossartige Kulisse. In der Gegend um Gold Harbour brüten ebenfalls tausende von Königspinguinen und es gibt desweiteren eine kleine Kolonie der süssen Eselspinguine. In deren Kindergarten tobten zahlreiche lebendige, putzige Küken, die neugierig umherliefen und auf Futter der Eltern drängelten. Die kleinen flauschigen Kerlchen waren wirklich zu goldig und süss!

Ich bandelte wenig später mit einigen Königspinguinen an, die nicht wirklich wussten, was sie von der ewig grinsenden Blondine halten sollten!

Es war fast schon warm und wir zogen die Jacken aus, doch dann frischte der Wind plötzlich und von uns unbemerkt auf und Shayne trieb seine Schäfchen zusammen. Das Wasser war auf einmal gar nicht mehr ruhig und schon ziemlich schwappig und so mussten auch wir etwas früher an Bord, obwohl wir wie immer zu den Letzten an Land gehörten.

Doch was war das für ein schöner Morgen in einem Meer von Königspinguinen!

Aufgrund des nun noch stärker gewordenen Windes entfiel leider die zweite Landung, aber wir machten noch eine kleine Rundfahrt im Drygalski Fjord. Das Wetter war mittlerweile völlig gekippt und es war stark bewölkt und neblig bis fast auf den Boden. So sahen wir von diesem schönen Fjord leider nur sehr wenig.

Nach der Rundfahrt stachen wir Richtung Südorkneyinseln in See.

Highlight des Tages: Die putzigen Küken der Eselspinguine

Die Fotogalerie: Gold Harbour

Vorschaufotos:

Der heutige Tag war ein Seetag, den wir mit Vorträgen, Essen, Lesen und Kamerapflege verbrachten. Einige Zeit waren wir an Deck und beobachteten die eleganten Seevögel. Der Wind frischte auf und wir bereiteten uns auf eine stürmische Nacht vor.

Highlight des Tages: … und wieder mal die Seevögel

Nach einer doch eher überraschend ruhigen Nacht erreichten wir um 6 Uhr Morgens die Südorkneyinseln. Um uns herum schwammen majestätisch gigantische Eisberge in bizarren Formen und schimmerten von Weiss über Grau bis hin zu einem Hellen Blau – die blaue Farbe zeigt das älteste Eis. Einige waren enorm gross und auf ihnen sassen kleine Gruppen der Adélie-Pinguinen, wie es unschwer am rosafarbenen, durch Krill verursachten “Poo” zu erkennen war.

Auf den Inseln schoben sich riesige Gletscher die Berge hinab Richtung Meer – so müssen die Gletscher zuhause in der Schweiz in ferner Vergangenheit auch mal ausgesehen haben! Ein Eisriese neben dem Nächsten – ein grosser Teil, nahezu 90 Prozent, der Inseln ist von einer Eiskappe überzogen und im Winter sind sie vollständig vom Eis eingeschlossen.

Wir landeten unter recht starkem Wind in Shingle Cove, wo uns schon einige See-Elefanten und eine aufgeregte Kolonie der Adélie-Pinguine erwartete. Sie hatten bereits fast erwachsenen Nachwuchs, der gerade in der letzten Mauser war und mitunter recht ausgefallene Frisuren zur Schau trug: Irokesenschnitt war ebenso vertreten wie der Schiebedach-Beatle! Die Kleinen jagten aber immer noch hinter ihren Eltern hinterher, um Nahrung zu ergattern – für die Grossen nicht so angenehm, da sie den halbverdauten Krill wieder hinauswürgen und die Kleinen dabei ihren Schnabel tief in den Schlund der Eltern stecken. Was für ein unterhaltsamer Morgen mit den putzigen Pinguinen der Shingle Cove!

Bevor wir zurück auf die Orlova mussten, gaben sich am Strand noch ein paar Zügelpinguine ein Stelldichein. Diese Jungs werden im Russischen “Polizeipinguin” genannt: sie haben einen schwarzen Schopf, darunter ein weisses Gesicht mit einem schwarzen “Riemen” unter dem Kinn _ genau wie ein englischer Bobby! Sie sind zudem recht agile und lautstarke Kerlchen, die krakeelend über den Strand schritten – wunderbar, ihnen dabei zuzusehen, diesen kleinen Komikern!
Nach zwei Stunden Aufenthalt mussten wir zurück zum Schiff und ich war über und über mit Pinguin Poo beschmiert 😉

Während wir unser Abendessen genossen, ging unsere Reise weiter zu den Südshetlandinseln.

Highlight des Tages: die wunderbaren Adélie- und Zügelpinguine der Shingle Cove

Die Fotogalerie: Südorkneyinseln

Vorschaufotos:

Wir erreichten die Südshetlandinseln vor Elephant Island bei bestem Wetter. Hier liess einst Sir Shackelton seine 22 Männer zurück, um allein in einem 7-m Boot Richtung Südgeorgien zu segeln, um dort letztendlich nach einem langen Marsch Hilfe für seine Männer zu finden. Alle wurden gerettet!

Die Wolken hangen tief, gaben aber immer wieder den Blick frei auf die gewaltigen, vergletscherten Berge von Elephant Island. Auf dem Weg trafen wir auf unseren ersten 1,5 bis 2 km langen Tafeleisberg, wahrscheinlich aus dem Larsen Schelfeisfeld -gewaltig, bezaubernd, eisig und wunderschön!

Leider hatte es vor Point Wild eine sehr lange Dünung, so dass eine Anlandung nicht möglich war. Dies war der Ort, wo Shackelton’s Leute auf ihren Boss gewartet hatten.
Die Fahrt entlang der Küste war aber durch ihre spektakulären Landschaftsformen aus Eis, Berge und Dramatik mehr als nur eine Entschädigung und wir sahen aus der Ferne sogar einige Schwertwale.

Highlight des Tages: die grandiose Eislandschaft

Die Fotogalerie: Elephant Island – Point Wild

Vorschaufotos:

In ruhiger See ging die Reise weiter und wir konnten bald den ersten Blick auf Half Moon Island, deren Form an einen halbmondartigen eingestürzten Krater erinnert, erhaschen. Doch der Krater ist nicht eingestürzt, sondern es wurde hier lediglich die Erdkruste nach oben gedrückt.
Am Strand empfingen uns bereits zahlreiche Zügelpinguine mit lautem Gezeter und auch die unvermeidbaren See-Elefanten waren schon vor Ort. Insgesamt brüten hier schätzungsweise 7000 Zügelpinguine und ist somit neben Deception Island eine der grössten Brutkolonien.

Die lustigen Kerlchen nutzten jeden freien Platz auf den Felsen und die putzigen Küken rannten nach Nahrung bettelnd hinter ihren Eltern – oder die, die sie dafür hielten – her. Im oberen Teil der Kolonie erwartete uns dann eine Überraschung: ein einsamer, kleiner Goldschopfpinguin stand irgendwie verloren inmitten der Zügelpinguine. Er war der Einzige weit und breit und wir fragten uns, ob er seine Familie oder seine Kolonie wiederfinden würde. Da die Klimaerwärmung erst recht nicht vor dem Südpolarmeer halt macht und es stetig wärmer wird, sind sie ständig auf der Suche nach neuen Brutplätzen in kälteren Gefilden.

Viel zu schnell ging auch der Besuch auf Half Moon Island zu Ende und die Orlova machte sich auf den Weg zur Deception Island, einem immer noch aktiven Vulkan, dessen geflutete Caldera durch einen schmalen Eingang – Neptuns Blasebalg – erreicht werden kann. In der Tat zieht es in diesem Nadelöhr kräftig und die Durchfahrt mit dem ständigen Piepen des Echolots bot eine gewisse Spannung. Innerhalb der Caldera war die See dann spiegelglatt, aber leider hingen die Wolken so tief, das wir den Vulkanrand nicht sehen konnten. Später hob sich die Wolkendecke ein wenig, doch es blieb bedeckt und wenig attraktiv.

Whaler’s Bay ist eine weitere verlassene Walfangstation und wir verzichteten abermals auf eine Besichtigung – speziell für mich ist das einfach zu deprimierend und ich bin zudem an diesen Kapiteln der Menschheit überhaupt nicht interessiert. Das ist verabscheuungswürdig, aber die Menschen haben sich damals nicht anders verhalten als Menschen heute in anderen Teilen der Welt.

Stattdessen verbrachten wir Zeit mit den Skuas, die in einem kleinen Tümpel ein Bad nahmen. Ich konnte mich langsam und bedächtig bis auf einen halben Meter an einen recht neugierig-freundlichen Skua anrobben – auf meinem Anorak befand sich nun neben Pinguin Poo auch noch Skua Poo! Es war sehr schön, so Auge in Auge mit der grossen Raubmöwe! Leider wurde unsere Zusammenkunft jäh von den hyperaktiven Chinesen gestört: sie hatten mich gesehen und stürmten mit ihren Kompaktknipsen auf uns zu, um auch ein Bild zu erhaschen. Leider flog “mein” Skua dann ab – ich wäre ihm am liebsten gefolgt… Manche Leute lernen es nie…

Später wanderten wir am Strand entlang zu Neptuns Fenster, einer grossen Öffnung in den Felsen mit einem grandiosen Blick auf das offene Meer und dem feinen Strand darunter. An diesem Strand tobten einige Kapsturmvögel und nahmen ein Bad – direkt neben einigen müden See-Elefanten!

Nachdem wir wieder an Bord waren, machte die Orlova eine Rundfahrt durch den Krater – was für ein Jammer, dass es so trüb war. Dieser Krater ist ein Eldorado für die Landschaftsfotografie!
Bei der Ausfahrt aus dem Krater sahen wir in einiger Entfernung ein Schiff der Hurtigrouten – seit den Falklandinseln hatten wir kein Schiff mehr gesehen.

Wir nahmen Kurs auf die antarktische Halbinsel, als es am Abend Gerüchte über eine Havarie gab. Shayne klärte uns dann schliesslich auf: die Nordnorge der Hurtigrouten war vor Deception Island auf Grund gelaufen und in Seenot geraten. Sie hatte offensichtlich ein kleines Leck und die Passagiere mussten evakuiert werden. Ihr Schwesterschiff Fram war in der Gegend und eilte zur Hilfe. Die Situation war nicht dramatisch, das Schiff drohte nicht zu sinken, aber schade um die Reise für die Passagiere, für die es zurück nach Ushuaia ging!

Highlight des Tages: Die Zügelpinguine von Half Moon Island

Die Fotogalerien: Half Moon Island . Deception Island

Vorschaufotos:

Heute erreichten wir endlich die antarktische Halbinsel bei Cuverville Island. Doch was für eine herbe Enttäuschung: das Wetter war so miserabel, wie es nur sein kann mit fast auf den Boden hängenden Wolken und Nieselregen. Schlimmer ging es nicht und bei mir flossen ein paar Tränen der Enttäuschung. Wir verzichteten auf die Anlandung und die anschliessende Zodiac-Tour am Gletscher entlang – es wäre nur extrem nass und kalt gewesen, was uns Mitreisende später auch bestätigten. Bei freundlicherem Wetter wäre Cuverville Island ein Highlight gewesen!

Nachdem die Tränen getrocknet waren und nach dem Frühstück machten wir bei zumindest trockenem Wetter eine Zodiac Tour durch den Errera Channel. Wir umkurvten schöne, gigantische Eisberge mit bizarren Eisformationen und sahen Seeleoparden, die fröhlich im Wasser spielten und um unsere Zodiacs herumtollten. Zur Krönung stattete uns auch noch eine Familie der Zwergwale einen Besuch ab und tauchten einige Male pustend in einiger Entfernung vom Schiff auf

Am Nachmittag errichten wir dann Paradise Bay, einem weiteren landschaftlichen Highlight, doch leider hatte sich das Wetter nicht wesentlich verbessert und es fiel immer noch leichter Regen. Wir machten als erstes eine Zodiac-Tour mit Shayne, die uns zu in den Felsen brütenden Blauaugen-Kormoranen führte. Deren Junge waren schon neugierige Teenager, die in der Mauser waren. Weiter ging die Fahrt in den hinteren Teil der Bucht, wo gewaltige Gletscher ins Meer kalbten. Die Eiswände waren zwischen 20 und 25 Meter hoch! Shayne stellte den Motor ab und wir konnten der Stille lauschen, nur unterbrochen vom Knacken und Knirschen der Gletscher oder von herabstürzenden Eis, das mit Donnergrollen im Meer landete. Einige Krabbenfresserrobben lagen faul auf Eisschollen und liessen sich nicht von uns stören. Nach einer Stunde stillen Geniessens ging es bei der argentinischen Station Almirante Brown an Land – ein ziemlich trostloser Ort, aber letztendlich der einzige Ort, an dem wir den antarktischen Kontinent betraten! Zum Glück gab es eine Eselspinguin-Kolonie mit vielen Jungtieren und so wurde die Zeit nicht lang. Die Gletscher in der Umgebung waren atemberaubend, aber -tja – das Wetter…

Nach dem Abendessen stand der vierte Ausflug des Tages an: Port Lockroy und Jougla Point. Wir fuhren zuerst nach Port Lockroy, wo es eine grosse Kolonie von Eselspinguinen gibt, die hier aufgrund der Nähe zur Station sehr zutraulich sind. Es dauerte auch nicht lang bis ein kleiner, flauschiger Kerl auf mich zukam und an meiner Kleidung pickte. Er war so zutraulich, das ich ihn sogar streicheln konnte – ganze 15 Minuten lang! Der Kleine war so putzig und verspielt und für mich unwiderstehlich, so dass diese Schmusestunde das absolute Highlight der Reise wurde. Er kam wieder und wieder und so war ich am Ende über und über mit Pinguin-Poo übersät – und roch auch genau so! Doch genau das sind die Erlebnisse, die man nie vergisst!

Nach dem Ende meiner Schmusestunde setzten wir über nach Jougla Point, wo es eine grosse Kolonie Eselspinguine gab, die allerdings nicht so zutraulich waren wie die von Point Lockroy. Wir genossen den Abendspaziergang durch die Kolonie und hatten viel Spass, den hungrigen Kleinen bei der Fütterung zuzusehen. Ein schöner Tag – trotz des Wetters – ging zu Ende.

Highlight des Tages: ein Komplettkunstwerk – einfach alles!!

Die Fotogalerie: Paradise Bay

Vorschaufotos:

Auch dieser Morgen brachte keine Wetterbesserung – der Regen war in Schneeregen übergegangen … Es war wirklich sehr traurig, denn wir fuhren durch den atemberaubend schönen Lemaire Channel, der teilweise nur wenige 100m breit ist und an dessen Rändern sich die Berge bis zu 1000m auftürmen (was wir aber nicht gesehen haben …)

Nichtsdestotrotz waren die Gletscher vom Kontinent gewaltig und es war spannend zu sehen, wie unser russischer Kapitän die Eisberge im engen Kanal umfuhr. Begleitet wurden wir von vielen See-Leoparden (“Sea Leopard Soup” wie Jamie sagte) und von zwei Zwergwalen. Am Ende des Kanals liegt die Pleneau Bay, wo zahlrieche grosse und kleine Eisberge treiben – ein wahrer Eisberg-Friedhof! Wir fuhren langsam mit dem Zodiac durch die Eisriesen und bewunderten die in allen Farben schillernden Formen. Wahre Kunstwerke, die Wind, Wellen und Wetter da kreiert haben! Natürlich ging auch diese Tour viel zu schnell zu Ende und die Orlova nahm Kurs auf Petermann Island, unserem letzten Ziel auf dieser Reise, die viel zu schnell vorbei ging.

Auf Petermann Island sind wie überall in den geschützten Gebieten nur 60 Personen an Land erlaubt und diesmal war unsere Gruppe mit der Zodiac-Tour dran, bevor wir an Land durften. Vladimir kurvte um die schönen Eisberge und zum Schluss gaben uns noch zwei grosse See-Leoparden auf einer Eisscholle eine Audienz! An Land gibt es wieder eine grosse Kolonie Eselspinguine mit halb ausgewachsenen Küken. Auf den anderen Inseln hatten wir fast neugeborene Küken gesehen – leider hat Akos unsere Befürchtungen bestätigt, dass sie zu spät dran sind und wahrscheinlich nicht überleben werden. So traurig das ist, wenn man die süssen Kleinen sieht, aber das ist Teil des Lebens und im nächsten Jahr wissen es die Eltern besser! Trotzdem tut es mir leid; die Eltern sind eben noch zu unerfahren!

Die Eselspinguine auf Petermann Island waren aber alle putzmunter und wohlgenährt. Wir erklommen eine kleine Anhöhe, von der man einen guten Blick auf die Eisberge hatte, die wir vorher im Zodiac besucht hatten. Danach ging es auf die andere Seite, wo sich eine recht lautstarke Adélie-Pinguin-Kolonie befindet. Zwischen ihnen nisten auch noch einige Blauaugenkormorane, deren halbstarke Küken sehnsüchtig auf die Heimkehr der Eltern warteten. Diese wurden dann heftig bedrängt und es war nicht leicht, die Nahrung zu übergeben. Dazwischen rannten einige verrückte Adélie-Küken flatternd im Kreis, die Älteren riefen lautstark – da war was los!

Es war schwer zu realisieren, aber der Zeitpunkt des Abschieds von der Antarktis und den liebenswerten Pinguinen rückte näher. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ob des Erlebten bestiegen wir das allerletzte Zodiac zurück auf die Orlova.

Da musste erst einmal ein Glas “Trost-Wein” her! Oder auch zwei Gläser…

Highlight des Tages: die Pinguine, die mir den Abschied versüssten und gleichzeitig schwer machten

Vorschaufotos:

Die Antarktis verschwand bald aus unserem Blickfeld und wir erreichten den offenen Ozean. Zwei Tage verbrachten wir nun in der berüchtigten Drake-Passage, dem wildesten Meer der Welt. Doch wir hatten Glück und die Wellen waren nur bis zu circa 7 Meter hoch und wir wurden wieder nicht seekrank.

Der Seegang hat aber schon ausgereicht, das sich einige Leute verletzten. Ein Mann aus Israel verletzte sich sogar recht schwer mit Nasenbruch und Problemen mit dem Rücken. Wie sich später herausstellte, war er vom Hals ab gelähmt und hat sich bisher nur sehr langsam – wenn überhaupt – erholt. Das war ein ziemlich tragisches Ende einer wunderbaren Reise.

Wir verbrachten noch eine Nacht in Ushuaia. Was für ein komisches Gefühl, festen Boden unter den Füssen zu haben! Der Tisch im Asado-Restaurant schien zu schwanken und es dauerte eine Weile, bis sich der Gleichgewichtssinn wieder stabilisiert hatte.

Die Abreise aus Ushuaia bescherte uns dann auch noch ein sehr negatives Erlebnis. Der Taxifahrer, der uns zum Flughafen brachte, überfuhr mit voller Absicht einen recht grossen Hund. Er steuerte noch auf ihn zu, anstatt ihm auszuweichen. Er fand das wohl normal und plauderte munter drauf los, doch ich wollte daraufhin nichts mehr sagen und war sehr traurig. Auch Strassenhunde haben ein Recht zu leben und wer weiss, ob er überhaupt ohne Besitzer war!

So geht diese Reise mit vielen Eindrücken zu Ende. Als Fazit bleibt, dass wir die Pinguine lieben und nächstes Jahr nur auf die Falkland Island zurückkommen wollen (und es auch taten…).

Und auch die antarktische Halbinsel möchten wir nochmals besuchen – der Kontinent ist uns noch ein Stückchen gutes Wetter schuldig!

Highlight der Tage: Die hohen Wellen und das Asado!

Alle Fotos auf unserer Homepage in der Farbwelt unter Südpolarmeer – Falkland, Südgeorgien und die antarktische Halbinsel

F a c e b o o k